Frankfurt wird zum Zentrum im Kampf gegen Geldwäsche in Europa
Milliarden aus illegalen Geschäften fließen jährlich über europäische Grenzen in legale Wirtschaftskreisläufe. Um dem entgegenzuwirken, hat die Europäische Union eine neue Aufsichtsbehörde ins Leben gerufen: die «Anti-Money Laundering Authority» (Amla). Diese Agentur hat nun ihre Arbeit in Frankfurt aufgenommen.
Ziel der Amla ist es, etwa 40 Banken mit hohen Geldwäscherisiken streng zu überwachen, zusätzlich zu den Anbietern von Kryptodienstleistungen. Die in Frankfurt ansässige Behörde soll mit über 400 Mitarbeitern nationale Aufsichtsstellen koordinieren und unterstützen, um ein einheitliches System zur Bekämpfung der Geldwäsche zu etablieren.
Bruna Szego, Leiterin der Amla, betonte die Herausforderungen eines fragmentierten Systems, das europaweit aus 27 unterschiedlichen Ansätzen besteht. Diese Unterschiede böten Kriminellen Schlupflöcher, die geschlossen werden müssten. Die Behörde soll dazu beitragen, schwere Delikte wie Organisierte Kriminalität, Drogenhandel und Terrorismus einzudämmen.
In einem knappen Bewerbungsverfahren setzte sich Frankfurt Anfang des Jahres 2024 als Standort gegen Städte wie Rom, Wien und Madrid durch. Trotz ihrer Schlüsselrolle wird Deutschland oft als Hochburg für Geldwäsche gesehen, einer der Gründe: die hohe Nutzung von Bargeld im Alltag.
Eine Untersuchung der Nasdaq-Tochter Verafin schätzte, dass im Jahr 2023 rund 750 Milliarden US-Dollar an illegalen Geldern durch das europäische Finanzsystem flossen. Deutschland führt diese Liste an, mit fast 130 Milliarden Dollar. Das sei fast ein Fünftel der gesamten europäischen Geldwäsche, so die Studie von Verafin.
Für die Finanzmetropole Frankfurt ist die Ansiedlung der Amla ein bedeutender Imagegewinn. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hob die Stärkung des Finanzplatzes hervor und bezeichnete Amla als wichtigen Akteur im europäischen Finanzsektor. Die Etablierung der Behörde in Frankfurt markiere einen entscheidenden Schritt auf dem Weg, Europas führendes Finanzzentrum zu werden.

