Finanzielle Bildung in Deutschland: Wissenslücken und Informationsquellen im Fokus
Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Postbank wirft ein Schlaglicht auf die finanzielle Bildung in Deutschland: Etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung sieht sich in Fragen der Geldanlage nur unzureichend informiert. Konkret stuften 34,6 Prozent der 2.001 befragten Erwachsenen ihr Wissen als mangelhaft ein oder gaben an, keinerlei Kenntnisse zu besitzen.
Während 26,7 Prozent der Anfang Juli Befragten sich gar nicht mit Finanzthemen befassen, suchen jene, die Ratschläge für ihre Spar- und Investitionsstrategie benötigen, vor allem im familiären Umfeld oder Freundeskreis nach Orientierung. Auch Finanzplattformen im Internet sowie die Beratung in Banken ziehen gut ein Fünftel der Befragten als Informationsquelle in Betracht.
Social-Media-Influencer, auch Finfluencer genannt, finden hingegen bei der Mehrheit der Umfrageteilnehmer wenig Vertrauen. 77,6 Prozent stehen den Ratschlägen dieser Influencer skeptisch bis ablehnend gegenüber. Allerdings ändert sich dieses Bild bei jüngeren Generationen: Fast 30 Prozent der 18- bis 24-Jährigen betrachten Finfluencer als wertvolle Informationsquelle, während dies bei den über 55-Jährigen nur noch 3,2 Prozent tun.
Verbraucherschützer und die Finanzaufsicht Bafin warnen vor unreflektiertem Vertrauen in Anlagetipps aus sozialen Netzwerken. Gleichzeitig bestärken sie die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit der Quelle und Qualität der angebotenen Informationen. Thomas Brosch von der Postbank und Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) raten dazu, Influencer und deren Hintergrund sorgfältig zu prüfen.
Interessanterweise zeigt sich trotz dieser Informationsflut eine konservative Anlagestrategie: Viele junge Menschen, trotz ihres Interesses an Finanzthemen, bevorzugen unverzinste Girokonten oder Tagesgeldkonten für ihre Ersparnisse. In der Umfrage gaben 19,6 Prozent der Sparer an, ihr Geld hauptsächlich auf dem Girokonto zu belassen, gefolgt von Tagesgeldkonten mit 18,5 Prozent. Aktienfonds, ETFs und selbstgenutzte Immobilien genießen weit weniger Popularität.

