Feuerwerksverkauf zum Jahreswechsel: Tradition trifft auf Debatten

Vor den Supermärkten beginnen sich die Menschen in langen Warteschlangen zu sammeln, während auch die Polizei oft ausrücken muss: Der Verkauf von Feuerwerkskörpern für den Jahreswechsel hat erneut begonnen. Erstmals können auch Onlineshops seit Montag die vorher bestellten Böller in den letzten Tagen des Jahres direkt an die Kunden liefern. Parallel dazu entflammt die Diskussion über ein generelles Böllerverbot erneut.
Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) zeigt sich optimistisch und rechnet im Vergleich zum Vorjahr mit einem Anstieg der Verkaufszahlen um 10 bis 15 Prozent. Nachdem die Branche 2023 einen Umsatz von 180 Millionen Euro verzeichnete, peilte sie 2024 eine Summe von 197 Millionen Euro an und hofft, diesen Wert leicht steigern zu können.
In verschiedenen Städten, wie beispielsweise Hamburg und Kehl, kam es zu einem regelrechten Ansturm auf Feuerwerk. Am frühen Morgen bildeten sich Schlangen vor Supermärkten, was teilweise zu kuriosen Situationen führte, wie in Thüringen, wo Wartende für Einbrecher gehalten wurden. In Friedrichroda mussten Polizisten zwei Männer beruhigen, die aufgrund ihrer Warteaktion vor einem Geschäft die Aufmerksamkeit der Anwohner auf sich gezogen hatten.
Während sich rund 22 Prozent der Bevölkerung darauf freuen, privates Feuerwerk zu zünden, zeigen sich 74 Prozent zurückhaltend und verzichten lieber auf den Einsatz von Böllern und Raketen. Vor allem Jüngere sind in Feierlaune: 43 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wollen den Jahreswechsel mit Feuerwerk begehen.
Doch die Kritiker solcher Traditionen haben gewichtige Argumente. Vertreter von Ärzteschaften, Polizeigewerkschaften und Umweltschutzorganisationen fordern ein generelles Anwendungsverbot aus Gründen der Sicherheit und Gesundheit. Laut einer Studie der AOK sind Verletzungen durch Feuerwerk in den ersten Tagen des neuen Jahres signifikant häufiger als sonst.
In der politischen Arena gibt es keine eindeutige Einigung über ein Böllerverbot. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies befürwortet lokale Lösungen und lehnt ein landesweites Verbot ab. Die Gewerkschaft der Polizei fordert jedoch mehr Einsatzkräfte und angrenzende Sicherheitszonen, um potenzielle Gefahren zu mindern.
Erlaubt ist das Abbrennen von Feuerwerk grundsätzlich nur am Jahresende. Indessen raten Experten, Sicherheitsvorschriften einzuhalten und auf illegales Feuerwerk zu verzichten. So wurden in diesem Jahr bereits erhebliche Mengen illegaler Pyrotechnik beschlagnahmt, darunter auch in Dänemark.

