Fed unter Druck: Arbeitsmarktsorgen dominieren Inflationsdebatte
In einer überraschenden Wendung der geldpolitischen Strategie hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins gesenkt. Die Entscheidung fiel mitten in einer Phase hartnäckiger Inflation, die lange Zeit im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Debatten stand. Doch angesichts wachsender Bedenken über den Arbeitsmarkt rückt diese Sorge nun in den Hintergrund.
Fed-Chef Jerome Powell betonte, dass die aktuelle Zinssenkung das Ziel verfolgt, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren, auch wenn die Meinungen im Zentralbankrat darüber gespalten waren. Die Zinssenkung betrug 0,25 Prozentpunkte und senkte das Zinsniveau somit in eine Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Seit September 2024 hat die Fed den Leitzins um insgesamt 1,75 Prozentpunkte herabgesetzt, was den Erwartungen vieler Wirtschaftsfachleute entsprach.
Auch wenn es an aussagekräftigen Daten mangelte—bedingt durch den Haushaltsstreit und den folgenreichen Shutdown—hielten die Bedenken eines Beschäftigungsrückgangs die Oberhand gegenüber den Inflationsbedenken. Spannungen innerhalb des Zentralbankrates wurden offensichtlich: Nur neun der zwölf Mitglieder stimmten für die Zinssenkung, darunter nicht Austan D. Goolsbee und Jeffrey R. Schmid, die sich gegen eine Absenkung aussprachen.
Auf der anderen Seite plädierte Stephen Miran, als Trump-Vertrauter kritisiert, für stärkere Zinssenkungen und zeigte damit erneut Differenzen im Gremium auf. Im Ausblick auf 2026 sind die Prognosen der Fed optimistischer als zuvor, mit erwarteten Wachstumsraten von 2,3 Prozent.
Trotzdem zeigen sich einige Experten wie Dirk Schumacher von KfW zurückhaltend und prophezeien eine Pause in den Zinssenkungen, um die Auswirkungen politischer Entscheidungen umfassender zu bewerten. Außerdem wird die Frage des zukünftigen Fed-Vorsitzenden immer drängender, da Trumps aktuelle Vorschläge für Nachfolger von Powell, dessen Amtszeit 2026 endet, auf breite Skepsis stoßen.

