Fed öffnet Tür für Lockerung der Kapitalanforderungen – Milliarden könnten bei Großbanken freigesetzt werden
Die US-Notenbank Fed hat mit knapper Mehrheit einen Vorschlag verabschiedet, der die sogenannten „enhanced supplementary leverage ratio“ für systemrelevante Banken senken würde. Konkret könnten dadurch bis zu 223 Milliarden US-Dollar an Kapital auf Holding- und Tochterebene freigesetzt werden. Ziel ist eine größere Flexibilität bei der Kapitalallokation – Kritiker warnen jedoch vor steigenden Systemrisiken.
Der Vorschlag erhielt in der Fed-Vorstandssitzung am Mittwoch eine 5:2-Mehrheit. Einer der Gegenstimmen kam von Michael Barr, dem früheren obersten Bankenaufseher der Fed. Er sprach von einer „signifikanten Erhöhung“ des Ausfallrisikos großer Banken. Barr war unter Druck der Trump-Regierung zurückgetreten, die ihren Kurs klar auf Deregulierung ausgerichtet hat.
Die Leverage Ratio dient als Rückfallebene zur risikogewichteten Kapitalunterlegung und soll verhindern, dass Institute trotz formal ausreichender Eigenmittel zu hohe Verschuldungsgrade eingehen. Insbesondere nach der Finanzkrise 2008 wurde sie verschärft. Mit der nun angestoßenen Reform sollen diese Regeln teils zurückgenommen werden.
Laut Fed könnte die Holding-Ebene der Großbanken etwa 13 Milliarden Dollar weniger Kernkapital vorhalten müssen, auf Ebene der operativen Einheiten belaufen sich die potenziellen Entlastungen auf rund 210 Milliarden Dollar. Das bedeutet vor allem für Institute wie JPMorgan Chase oder Citigroup erheblichen strategischen Spielraum – etwa beim Handel mit US-Staatsanleihen.
Genau darauf zielt auch das Argument der Befürworter: Mehr Kapitalpuffer könnten den Banken erlauben, in Stressphasen Liquidität bereitzustellen – beispielsweise durch den Kauf von Treasurys. Ein sofortiger Anstieg der Nachfrage nach US-Staatsanleihen sei laut Branchenvertretern jedoch nicht zu erwarten.
Parallel dazu veröffentlichte das Office of the Comptroller of the Currency eine gleichlautende Initiative. Die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) wird voraussichtlich noch diese Woche über den Vorschlag beraten. Die öffentliche Kommentierungsfrist beträgt 60 Tage; mit einer finalen Entscheidung wird bis Jahresende gerechnet.
Im Hintergrund steht ein umfassender Rückbau regulatorischer Auflagen durch die Trump-Administration. Neben der Leverage Ratio sollen auch Bewertungen, Prüfmechanismen sowie die jährlichen Stresstests überarbeitet werden. Insbesondere das sogenannte „Gold Plating“ – zusätzliche US-Anforderungen über internationale Standards hinaus – soll abgebaut werden.
Langfristig deutet sich zudem eine Neuausrichtung der risikobasierten Kapitalanforderungen an. Diese waren als Teil des Basel-III-Regelwerks bereits unter der Biden-Regierung vorbereitet, mussten jedoch nach heftigem Lobbydruck vorübergehend zurückgezogen werden.

