Fed-Neuling fordert drastische Zinssenkung – Ein Aufbegehren gegen den Mainstream?
Stephen Miran, das jüngste Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der Federal Reserve (Fed), zieht mit einem aufsehenerregenden Vorstoß die Aufmerksamkeit auf sich. In seiner ersten öffentlichen Rede seit dem Eintritt in den Ausschuss deutete er an, dass die wirtschaftspolitischen Maßnahmen von Präsident Donald Trump die Inflation senken und damit den Weg für deutliche Zinssenkungen der Fed ebnen könnten.
Miran, der am Dienstag als Fed-Gouverneur bestätigt wurde, sorgte bereits für Aufhorchen, indem er als einziger gegen die jüngste Zinsentscheidung stimmte und für eine stärkere Senkung plädierte. In einem Interview bei CNBC erläuterte er seine Sichtweise und wies darauf hin, dass die Auswirkungen von Trumps Zollpolitik überschätzt würden. Anders als viele seiner Kollegen sieht er die Hauptlast dieser Zölle bei internationalen Handelspartnern und nicht bei amerikanischen Unternehmen oder Haushalten.
Die von Miran präferierte Zinspolitik, die selbst vom Präsidenten gefordert wird, stellt auch die Unabhängigkeit der Fed infrage. Seine Doppelrolle als Berater im Weißen Haus und Fed-Gouverneur sorgt für Besorgnis unter Marktbeobachtern, zumal er wirtschaftspolitische Prioritäten verfolgt, die stark mit den Forderungen Trumps übereinstimmen. Miran betonte jedoch, dass er im Fall einer Nominierung für eine volle Amtsperiode seinen Posten im Weißen Haus aufgeben würde.
Der umstrittene Standpunkt von Miran trifft auf breite Skepsis innerhalb der Fed und unter Ökonomen. Einigen Experten zufolge könnte seine Ernennung Teil eines größeren Plans sein, die Fed schrittweise unter politische Kontrolle zu bringen. Dennoch bleibt Miran, trotz seines unkonventionellen Ansatzes, eine Einzelstimme innerhalb des Ausschusses, was Fed-Chef Jerome Powell als wenig einflussreich betrachtet, solange fundierte Argumente basierend auf Daten fehlen.

