Fable lässt Xbox-Chef schwärmen: „Mein Hirn explodiert bei der lebenden Bevölkerung“
Wenn Craig Duncan, seines Zeichens Chef der Xbox Game Studios, von einem Spiel schwärmt, sollte man aufhorchen. Sein jüngstes Lob gilt Playground Games‘ Reboot der legendären Fable-Reihe – und er scheut keine Superlative. „Mind-blowing“, „unglaublich“, „massiv teilbar“ – so beschreibt der ehemalige Rare-Boss das kommende Fantasy-RPG, das im Herbst 2026 für Konsolen und PC erscheinen soll. Besonders die sogenannte Living Population, bestehend aus 1.000 handgefertigten NPCs mit individuellen Routinen, versetzt Duncan regelrecht in Ekstase. Nach dem gescheiterten Fable Legends und jahrelanger Entwicklungsunsicherheit scheint Playground Games nun tatsächlich einen würdigen Nachfolger zu Lionheads Vermächtnis zu schmieden. Doch hält das Spiel, was der enthusiastische Studio-Chef verspricht?
Playground Games verfolgt Perfektion mit unbarmherziger Konsequenz
Im Gespräch mit GamesRadar+ betonte Duncan die „unerbittliche Jagd nach Exzellenz“, die Playground Games seit der Übernahme der Fable-Lizenz an den Tag lege. Das Studio, das sich zuvor mit der Forza Horizon-Reihe einen Namen machte, habe bewiesen, dass es Franchises kontinuierlich vergrößern und verbessern könne. „Wir alle wissen, was das bei Forza Horizon bedeutet; wir haben alle gesehen, wie diese Franchise jedes Jahr größer wurde – aber was bedeutet das für Fable?“ Duncan selbst hat bereits „einen Haufen des Spiels“ angespielt, sich mit dem Kampfsystem und der Living Population herumgeschlagen, und sein Urteil fällt eindeutig aus: „Es ist einfach atemberaubend.“ Die Living Population hebt er besonders hervor – ein System, bei dem jeder NPC ein Bett benötigt, einen Arbeitsplatz aufsuchen muss und die Stadtplanung so konzipiert ist, dass beides nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt. Diese Detailverliebtheit erforderte nach eigener Aussage erhebliche Überlegungen, doch das Resultat ließ Duncans „Gehirn jedes Mal explodieren“, wenn er darüber nachdenkt, wie es funktioniert und was es dem Gesamtspiel hinzufügt.
Modernisierung klassischer Ideen statt bloßer Nostalgie
Playground Games hat sich offenbar nicht damit begnügt, lediglich alte Konzepte wiederzukäuen. „Es gab einige wirklich besondere Ideen in der ursprünglichen Fable-Trilogie, aber was Playground meiner Meinung nach getan hat, ist, einige dieser Ideen zu nehmen und sie zu modernisieren“, erläutert Duncan. Das Reputationssystem beispielsweise variiert nun je nach Standort – Taten in einer Region beeinflussen nicht zwangsläufig den Ruf an einem anderen Ort. Das Weltdesign kopiert bewusst nicht Forza Horizons weitläufige Open-World-Struktur, sondern setzt auf kompaktere Areale mit „Tonnen zum Erkunden“, in denen Spieler jedes Gebäude betreten können. Diese bewusste Beschränkung zugunsten von Dichte und Detailreichtum könnte sich als kluge Entscheidung erweisen, da moderne Open-World-Spiele oft an ihrer eigenen Größe ersticken. Duncan ist überzeugt, dass Fable „ein unglaubliches RPG“ werden wird, und prognostiziert, dass es „massiv teilbar“ sein werde – vermutlich eine Anspielung auf die vielen emergenten Geschichten, die Spieler aus ihren Abenteuern kreieren können.
Gleichzeitiger PS5-Launch sorgt für Aufsehen
Eine bemerkenswerte Entscheidung ist der Day-One-Launch auf PlayStation 5 neben Xbox Series X/S und PC sowie Game Pass. Dies erscheint zunächst ungewöhnlich, da Forza Horizon 6 erst später im Jahr auf PS5 erscheint statt zeitgleich im Mai. Duncan und sein Team sind sich dieser Diskrepanz bewusst, scheinen aber an ihrer plattformübergreifenden Strategie festzuhalten. Dass Microsoft eine seiner größten Exklusiv-Hoffnungen direkt auf der Konkurrenzplattform veröffentlicht, zeigt den Paradigmenwechsel in der Unternehmensstrategie – weg von reinem Hardware-Exklusivismus, hin zu maximaler Reichweite für First-Party-Titel. Kritiker mögen dies als Schwäche interpretieren, doch aus geschäftlicher Perspektive erschließt Microsoft damit eine deutlich größere Zielgruppe, während Game Pass weiterhin als attraktive Option für Xbox-Ökosystem-Nutzer fungiert.
Skepsis bleibt trotz euphorischer Worte berechtigt
So enthusiastisch Duncans Lobeshymnen auch klingen mögen – der Launch im Herbst 2026 liegt noch Monate entfernt, und die Spieleindustrie hat oft genug gezeigt, dass hochgesteckte Erwartungen zu herben Enttäuschungen führen können. Fable hat eine bewegte Entwicklungsgeschichte hinter sich: Das gecancelte Fable Legends, die Schließung von Lionhead Studios und jahrelange Unsicherheit über die Zukunft der Franchise hinterließen Narben in der Community. Playground Games scheint bisher alle richtigen Entscheidungen zu treffen, doch zwischen beeindruckenden Showcases und dem finalen Produkt liegen oft Welten. Die technische Umsetzung, besonders der ambitionierten Living Population auf allen angekündigten Plattformen, wird eine Herkulesaufgabe darstellen. Dennoch: Wenn nur die Hälfte von Duncans Begeisterung sich im fertigen Spiel widerspiegelt, könnte Fable 2026 tatsächlich zu einem der Highlights des Jahres werden.


