Ex-Diktator «Baby Doc» Duvalier zurück in Haiti

17. Januar 2011, 20:41 Uhr · Quelle: dpa

Port-au-Prince (dpa) - Inmitten der politischen Krise in Haiti ist überraschend der frühere Diktator Jean-Claude Duvalier in sein Heimatland zurückgekehrt.

Der 59-Jährige, der 1986 nach 15 Jahren Terrorregime und massiver Korruption aus dem Amt gejagt wurde, landete am Sonntagabend an Bord einer Air-France-Maschine aus Paris in Port-au-Prince. Bei seiner Ankunft kam es am Flughafen zu tumultartigen Szenen. Welche Pläne der frühere Potentat hat, sagte er zunächst nicht. Er werde aber bald mit der Presse reden, versprach «Baby Doc» Duvalier. Menschenrechtler forderten seine umgehende Festnahme.

Mit der Rückkehr Duvaliers in das bitterarme Karibikland dürften die Spannungen in Haiti weiter wachsen. Das Land kämpft mit den Folgen des verheerenden Erdbebens von 2010 und befindet sich nach der Chaos-Wahl vom November mitten in einer schweren politischen Krise. Duvalier formulierte nur vage, er sei zurückgekommen, um sich in den Dienst seines Landes zu stellen und den Menschen in Haiti nach dem desaströsen Erdbeben zu helfen. Was genau dies heißen soll, ließ er offen. Für Dienstag soll nach lokalen Medienangaben eine Pressekonferenz in Planung sein. Von der haitianischen Regierung gab es bislang keine offizielle Stellungnahme.

Menschenrechtsorganisationen forderten am Montag die unverzügliche Festnahme des Ex-Staatschefs. Duvalier müsse wegen gravierender Menschenrechtsverstöße vor Gericht gestellt werden, mahnte Amnesty International. Während seiner Amtszeit (1971-1986) sei es zu systematischen Folterungen und anderen Misshandlungen in Haiti gekommen.

In New York erklärte der Amerika-Direktor von Human Rights Watch, José Miguel Vivanco: «Die Anwesenheit Duvaliers ist, sollte er nicht sofort festgenommen werden, eine Ohrfeige für die Menschen, die schon so viel gelitten haben.» Es sei längst überfällig, dass er zur Rechenschaft gezogen werde.

«Baby Doc» landete am internationalen Flughafen Toussaint Louverture in Begleitung seiner Frau Véronique und wurde unter anderen von seinem damaligen Außenminister Adrien Raymond und dem früheren Chef der Präsidentengarde Christophe Dardompré empfangen. Er besitzt einen haitianischen Pass. Es habe deshalb auch keinen Grund gegeben, ihn nicht aus Frankreich ausreisen zu lassen, berichteten haitianische Medien unter Berufung auf Quellen in Frankreich.

Duvalier fuhr vom Flughafen aus ins luxuriöse Karibe-Hotel in Pétion-Ville, einem Vorort von Port-au-Prince. Während einige Anhänger die Rückkehr Duvaliers frenetisch feierten, forderten andere die schnellstmögliche Rückkehr des Ex-Präsidenten Jean-Bertrand Aristide aus dessen Exil in Südafrika, wo er sich seit 2004 aufhält.

Jean-Claude Duvalier hatte im April 1971 von seinem verstorbenen Vater, dem Arzt Francois Duvalier, genannt «Papa Doc», ein Terrorregime übernommen und wurde 1986 entmachtet. Dem Regime von «Papa Doc» fielen bis 1971 zehntausende Menschen zum Opfer. Sein Sohn soll in seiner Amtszeit hunderte Millionen Dollar beiseitegeschafft haben. Er lebte 25 Jahre im Exil in Frankreich. Seine Schweizer Bankkonten wurden gesperrt. Von ihm stammt das Zitat: «Es ist das Schicksal der Menschen von Haiti zu leiden.»

In dem Armenhaus Amerikas hatten am 28. November chaotische Wahlen mit massiven Unregelmäßigkeiten stattgefunden. Am Donnerstag hatte die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) ihre Empfehlungen für den Fortgang der Präsidentenwahlen in Haiti an Präsident René Préval übergeben. Über den Inhalt machten die Mitglieder der Expertendelegation keine Angaben.

Innenpolitik / Haiti
17.01.2011 · 20:41 Uhr
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