EU will Paket-Tsunami mit Billigwaren eindämmen
Billigflut aus China überfordert Europas Zoll
Die EU spricht von einem „Paket-Tsunami“: 4,6 Milliarden Sendungen unter 150 Euro erreichten 2024 den europäischen Markt – rund zwölf Millionen pro Tag. 90 Prozent davon kamen aus China. Laut EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič hat sich die Zahl der Pakete im Vergleich zu 2023 verdoppelt, gegenüber 2022 sogar verdreifacht. Europas Zollämter sind mit der Flut längst überfordert.
Gefährliche Billigware und unfairer Wettbewerb
Viele dieser Produkte verstoßen gegen EU-Sicherheits- und Umweltauflagen. Verbraucherzentralen warnen vor giftigen Chemikalien in Textilien oder Kinderspielzeug. Auch beim Maschinenbau häufen sich gefährliche Mängel: Leitern, Sägen oder Elektronikprodukte aus Fernost würden in Europa niemals eine Zulassung erhalten, warnt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Das sorge für „hochgradig unfairen Wettbewerb“, da europäische Hersteller deutlich strengere Standards erfüllen müssen.
Brüssel will Zollfreigrenze kippen
Die EU-Kommission will die Zollfreigrenze von 150 Euro spätestens im März 2028 abschaffen. Zusätzlich sollen Händler aus Drittstaaten eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Paket zahlen. Ziel ist, den massenhaften Versand von Mini-Sendungen einzudämmen. Außerdem sollen nationale Behörden künftig Online-Marktplätze stärker überwachen und Testkäufe durchführen können.
Industrie fordert härtere Maßnahmen
Unternehmer wie Bodo Bölzle, Präsident des Verbands Südwesttextil, fordern schnelleres Handeln. „Wenn wir bis 2028 warten, ist der Markt verloren“, warnt er. Statt zwei Euro pro Paket schlägt er eine Gebühr von mindestens 30 Euro vor – kombiniert mit strengeren Auflagen und klaren Haftungsregeln für Plattformbetreiber. Nur so lasse sich der „asiatische Dumping-Boom“ stoppen.
Sanktionen bis zur Abschaltung von Plattformen
Auch die Politik drängt auf härtere Schritte. Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker fordert, Plattformen wie Temu und Shein stärker in die Pflicht zu nehmen. „Wenn Strafen keine Wirkung zeigen, müssen Abschaltungen möglich sein“, sagt die Grünen-Politikerin. Die EU-Kommission prüft bereits Verfahren gegen Shein wegen irreführender Werbung, falscher Rabatte und potenzieller Verstöße gegen Verbraucherschutzgesetze. Auch Temu und AliExpress stehen unter Beobachtung.
Folgen für Verbraucher
Fällt die Zollfreigrenze, könnten Bestellungen aus China künftig teurer werden. Viele Händler dürften zusätzliche Gebühren an ihre Kunden weitergeben – ähnlich wie bei Trumps Zöllen 2018. Längere Lieferzeiten erwartet Brüssel dagegen nicht: Die Zollabwicklung soll künftig digital erfolgen, bevor die Ware überhaupt in die EU gelangt.
Damit steht der Onlinehandel in Europa vor einer Zäsur. Die Billigflut aus Fernost hat ihren Höhepunkt erreicht – nun will Brüssel den Paket-Tsunami brechen.


