EU-Steuerpläne gefährden deutschen Tabakmarkt: Sorgen um Schwarzmarkt-Boom
In der deutschen Tabakbranche herrscht Unruhe angesichts eines geplanten Steueraufschlags, der den Schwarzmarkt erheblich beleben könnte. Die EU-Kommission schlägt vor, den Mindeststeuersatz für Zigaretten drastisch zu erhöhen, was die Preise für Markenzigaretten in Deutschland auf über 12 Euro pro Packung steigen lassen könnte. Dieser Preisanstieg könnte Raucher dazu veranlassen, auf illegale, billigere Alternativen auszuweichen. Noch gravierender könnte der Effekt bei Feinschnitt-Tabak ausfallen, dessen Steuer ebenfalls erheblich ansteigen soll.
Auf der Messe Intertabac in Dortmund stießen diese Pläne auf harsche Kritik. Jan Mücke vom BVTE betonte, dass diese Maßnahmen kriminelle Netzwerke stärken würden. Auch Michael von Foerster vom VdR warnt davor, dass eine übermäßige steuerliche Belastung den legalen Markt schwächen könnte. Torsten Albig von Philip Morris fügte hinzu, dass falsche Steuerpolitiken das Feld für Kriminelle öffnen könnten, wie es in den Niederlanden und Frankreich bereits geschehen sei. In diesen Ländern haben deutliche Steuererhöhungen die Preise für Zigaretten stark in die Höhe getrieben.
Besonders stark betroffen von den Plänen wäre auch die Zigarrenindustrie in Deutschland, die eine mehrfache Erhöhung der Steuer befürchtet. Für den Branchenvertreter Bodo Mehrlein sind die Vorschläge der EU-Kommission ein Schlag gegen den Mittelstand. Nachhaltige Preissteigerungen könnten den Schwarzmarkt, laut Katrin Schaller vom DKFZ, sogar nutzen, um junge Menschen vom Rauchen abzuhalten.
Der deutsche Staat generiert etwa 20 Milliarden Euro jährlich durch Tabaksteuereinnahmen. Die Lobbyisten der Branche warnen jedoch, dass die durch die Steuererhöhung erhofften Mehreinnahmen möglicherweise ausbleiben könnten, da der legale Absatz sinken würde. Andernorts, etwa in den Niederlanden, seien die Einnahmen trotz höherer Steuern gesunken.
Die Zollgewerkschaft BDZ warnt bereits vor einem Anstieg des illegalen Handels mit Zigaretten. Zollchef Thomas Liebel fordert proaktive Maßnahmen und eine Modernisierung der Technik sowie eine Vereinfachung der Regulierung, um kriminelle Netzwerke effektiver zu bekämpfen.

