EU importiert weiterhin Flüssigerdgas aus Russland: Ein riskanten Balanceakt?
Die Europäische Union hat im ersten Halbjahr 2025 Flüssigerdgas (LNG) aus Russland im Wert von etwa 4,48 Milliarden Euro bezogen, was einem Zuwachs von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat berichtet. Insgesamt verzeichnete die EU in den ersten sechs Monaten Importe von LNG im Wert von rund 26,9 Milliarden Euro, mit einem Hauptanteil aus den USA im Wert von etwa 13,7 Milliarden Euro. Diese Position als größter LNG-Lieferant der EU sicherten sich die USA bereits 2024 mit einem Anteil von fast 45 Prozent an den Gesamteinfuhren.
Die Frage, warum trotz anhaltender geopolitischer Spannungen aus Russland Gas in die EU fließt, bleibt bestehen. Im Gegensatz zu Öl und Kohle wurden Gaseinfuhren bisher nicht sanktioniert, um die Abhängigkeit zu verringern. Nach Angaben der EU-Kommission machten russische Gaslieferungen 2024 etwa 19 Prozent aller Importe aus. Zum Vergleich: Aus den USA lag der Importwert bei 19,1 Milliarden Euro gegenüber 15,6 Milliarden Euro aus Russland.
Vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts in der Ukraine plant die EU-Kommission jedoch, russische Gaslieferungen bis 2028 komplett zu verbieten. Der Vorschlag sieht vor, langfristige Lieferverträge ab Januar 2028 und kurzfristige Verträge bereits ab Juni 2026 zu unterbinden. Neue Verträge zur Einfuhr russischen Gases sollen ab Januar 2026 nicht mehr zulässig sein. Diese Pläne sind jedoch noch auf Verhandlungen im EU-Parlament und der Zustimmung der Mitgliedsstaaten angewiesen.
Für deutsche Unternehmen, wie das staatseigene Sefe, ehemals Gazprom Germania, könnte dies weitreichende Konsequenzen haben. Sefe importiert derzeit weiterhin LNG aus Russland basierend auf langfristigen Verträgen. Was die zukünftigen Beschränkungen für Sefe bedeuten werden, ist jedoch noch ungewiss.
Verbraucher dürfen laut der EU-Kommission jedoch beruhigt sein. Die Umstellung soll allmählich erfolgen, um Preisschwankungen zu minimieren und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dennoch sieht der Vorschlag eine Sicherheitsklausel vor, die es betroffenen Mitgliedstaaten erlaubt, das Einfuhrverbot bei drastischen Versorgungsengpässen zu lockern.

