Etablierte Banken unter Druck: Digitale Herausforderer im Vormarsch
Die Zeiten des relativen Wohlstands könnten für Europas etablierte Banken bald ein Ende finden. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Strategy&, einem Bestandteil der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Im Zentrum der Untersuchung stehen die Auswirkungen der Zinswende 2022 und die zunehmende Präsenz digitaler Neobanken auf die Privatkundenbranche.
Im vergangenen Jahr konnten die europäischen Banken nicht zuletzt durch den Zinsanstieg noch einmal ein Gewinnwachstum von durchschnittlich vier Prozent verzeichnen. Doch die Experten von Strategy& warnen bereits vor einer bald endenden Phase des günstigen Rückenwinds, zumal auch die Kosten um drei Prozent gestiegen sind.
Parallel dazu klettern die digitalen Herausforderer weiter auf der Erfolgsleiter. Neobanken und Zahlungsdienstleister, die vollständig ohne physische Filialen auskommen, erleben ein rasantes Wachstum. Der schwedische Zahlungsdienstleiter Klarna, der bereits eine Banklizenz besitzt und über 93 Millionen Nutzer in 26 Ländern zählt, wird als ein prominentes Beispiel dieser Entwicklung genannt. Strategy& prognostiziert, dass die größten unter diesen digitalen Herausforderern noch mehr an Bedeutung gewinnen und den etablierten Banken zunehmend Konkurrenz machen werden.
Trotz dieser Bedrohung haben die traditionellen Banken aber noch einen entscheidenden Vorteil: ihre Profitabilität. Die Studie hebt hervor, dass trotz der erheblichen Kosten, die der Betrieb von Filialnetzen verursacht, traditionelle Institute deutlich profitabler sind als ihre digitalen Konkurrenten. So lag der durchschnittliche Ertrag, den eine Neobank pro Kunde im vergangenen Jahr erwirtschaftete, bei lediglich 208 Euro. Im Vergleich dazu konnten die deutschen Privatkundenbanken mit jedem Kunden dreimal so hohe Erträge erzielen, nämlich 668 Euro.

