Ernüchternde Euphorie: Deutsche Börse nach Zollabkommen verhalten
Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich nach der anfänglichen Euphorie über das neue Zollabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA deutlich ernüchtert. Während der Dax zunächst einen Aufwärtstrend verzeichnete, mit einem fast einprozentigen Anstieg und einem Annäherungsversuch an sein Rekordhoch, verblasste die Freude rasch. Am Ende des Tages wies der Leitindex lediglich ein moderates Plus von 0,3 Prozent auf, notiert bei 24.297 Punkten.
Ähnlich verhielt es sich beim MDax der mittelgroßen Unternehmen sowie beim EuroStoxx 50, die ebenfalls leicht zulegten. Die Einigung zwischen den USA und der EU sieht einen Basiszoll von 15 Prozent auf die meisten europäischen Importe vor, darunter auch Fahrzeuge, Halbleiter und Pharmaerzeugnisse, und öffnet die Tür für mögliche künftige Zollsenkungen.
Trotz dieser Entwicklungen sehen Analysten die Übereinkunft nicht ausschließlich positiv. Die Einigung wird von Experten kritisch beäugt und wird teilweise als "erkaufte Deeskalation" im Handelskonflikt wahrgenommen. Diese Einschätzung schlägt sich auch unterschiedlich in den Branchen nieder. Vor allem Automobilwerte wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz litten unter der neuen Handelsregelung, wobei der Markt den Trump-lastigen Charakter des Abkommens kritisch beurteilt.
Währenddessen zeigte sich der Pharmasektor optimistischer. Ein Wegfall von Zollbelastungen stärkte Aktien wie Sartorius, die von positiven Analystenkommentaren profitierten. Auch Merck verzeichnete moderate Kursgewinne. Ähnlich erfreulich war die Stimmung in der Halbleiterbranche; Infineon, Aixtron und Süss Microtec konnten jeweils beachtliche Kursgewinne verzeichnen.
Auf dem SDax verzeichnete ProSiebenSat.1 dank eines erhöhten Übernahmeangebots vom italienischen Konzern MediaForEurope einen starken Anstieg. Auch Nordex konnte im MDax zulegen, nachdem der Windanlagenhersteller seine Quartalszahlen deutlich verbessern konnte.

