Erneute Regenfälle in Marokko: Segen und Herausforderung zugleich

Die jüngsten massiven Regenfälle in Marokko haben dem von Dürre geplagten Land eine dringend benötigte Entlastung gebracht. Laut Angaben des marokkanischen Wasserministeriums sind die Wasserstände in den Stauseen nun wieder auf 70 Prozent angestiegen. Die Wasserreserven belaufen sich auf beeindruckende 11,8 Milliarden Kubikmeter, was eine Steigerung von über 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.
Trotz dieser positiven Entwicklung, die den Wassermangel lindert, haben die Regenfälle auch erhebliche Schäden verursacht. Zehntausende Menschen wurden aus ihren Heimatgebieten im Nordwesten vertrieben, nachdem mehr als 110.000 Hektar Land infolge der "außergewöhnlich schweren Wetterereignisse" überschwemmt wurden. Die Regierung in Rabat hat nun mit der schrittweisen Rückkehr von etwa 188.000 evakuierten Personen begonnen.
Interessanterweise kam die Ankunft der Unwetter zu einem Zeitpunkt, als Marokkos Wasserminister Nizar Baraka das Ende einer siebenjährigen Dürreperiode im Januar ausrief. Diese Dürre hatte insbesondere für Getreidebauern und Viehhirten gravierende Folgen und beschleunigte die Planungen für Entsalzungsanlagen. Ziel des Landes ist es, bis zum Jahr 2030 bis zu 60 Prozent des Trinkwassers durch die Aufbereitung von Meerwasser zu decken. Marokko gehört, ähnlich wie Spanien und die Türkei, zu den am stärksten von Dürre betroffenen Regionen im Mittelmeerraum.
Die tragischen Folgen der jüngsten Überschwemmungen drücken jedoch auf die Stimmung: Vier Menschen verloren ihr Leben, während im Dezember bei ähnlichen Ereignissen 37 Menschen gestorben waren. Die Herausforderung, eine Balance zwischen Wasserbewirtschaftung und Katastrophenschutz zu finden, bleibt bestehen.

