Entsetzen über Anschlag auf Kirche in Ägypten

02. Januar 2011, 20:28 Uhr · Quelle: dpa

Kairo/Alexandria (dpa) - Erneut blutiger Anschlag auf Christen in der muslimischen Welt: Ein Selbstmordattentäter hat in der Neujahrsnacht vor einer Kirche im ägyptischen Alexandria 21 Gläubige mit in den Tod gerissen. 79 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt.

Der koptische Klerus sagte aus Trauer über den Anschlag die Feierlichkeiten zum Weihnachtsfest am 7. Januar ab. Die koptische Gemeinde in Deutschland bat wegen der Gefahrenlage um Polizeischutz.

Die Terrortat wurde weltweit verurteilt - von US-Präsident Barack Obama, der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, Bundesaußenminister Guido Westerwelle und dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Papst Benedikt XVI. forderte beim Neujahrsgottesdienst im Petersdom nachdrücklich Religionsfreiheit überall auf der Welt.

Die Bombe entfaltete ihre verheerende Wirkung, als die Kirchgänger aus der Mitternachtsmesse in der koptischen St.-Markus-und-Petri- Kirche im Stadtteil Sidi Bischr strömten. Der Täter zündete in seinem vor der Kirche stehenden Wagen die tödliche Ladung etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht, wie das Innenministerium mitteilte. Die Bombe enthielt etwa hundert Kilo Sprengstoff, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen.

Auch die etwa 10 000 Kopten in Deutschland fürchten nach Terrordrohungen um ihre Sicherheit. «Die Kriminalpolizei hat uns mehrfach vor Überfällen durch radikale Muslime auf unsere Christmette gewarnt», sagte Kopten-Bischof Anba Damian der «Bild»-Zeitung (Montag). «Ich habe daher an das Bundesinnenministerium geschrieben und um Schutz gebeten.» Für kommenden Samstag rufen die Kopten in ihrer Frankfurter Kirche zum ökumenischen Gebet für die Opfer.

Die Tragödie von Alexandria hätte noch schlimmer sein können, wenn die Terroristen bis zum Ende der Zeremonie gewartet hätten, berichteten Augenzeugen. Die Bombe wurde bereits gezündet, als die ersten Gläubigen die noch im Gange befindliche Messe verließen. Die britische BBC zeigte ein im Inneren der Kirche per Handy aufgenommenes Video, auf dem zu sehen ist, wie die Explosion mitten in die liturgischen Gesänge der Kirchengemeinde fuhr.

Ohne nähere Erläuterung beschuldigte das Ministerium «ausländische Elemente» als Drahtzieher. Tatsächlich hatte kürzlich eine Gruppe mit Verbindungen zum islamistischen Terrornetz Al-Kaida im Irak den Christen im ganzen Nahen Osten mit Anschlägen gedroht. Die Organisation wirft den Kopten vor, zwei angeblich vom Christentum zum Islam konvertierte Frauen als «Geiseln» festzuhalten.

Die koptische Kirche widersprach in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung dieser Deutung der Tragödie. «Der Anschlag ist das Ergebnis der anhaltenden konfessionellen Stimmungsmache der letzten Monate», hieß es darin. Ägyptische Medien hatten den Fall der beiden angeblichen Konvertitinnen oft reißerisch und tendenziös dargestellt.

Etwa zehn Prozent der Ägypter sind Christen. Wegen des Baus von Kirchen, Konvertierungen und Landdisputen kommt es immer wieder zu Spannungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. Aus Trauer über den Anschlag sagte der koptische Klerus die Weihnachtsfeiern am 7. Januar ab, berichtete die Tageszeitung «Al-Masri Al-Youm». Die Kopten verwenden den orthodoxen Kalender.

Wütende Christen bewarfen nach dem Anschlag eine Moschee in der Nähe mit Steinen. Die Polizei trieb die Menge auseinander. Die St. Markus- und Petri-Kirche ist eines der größten Gotteshäuser der Kopten in Alexandria. Unmittelbar benachbart ist das kirchliche St. Markus-Spital, in dem viele der Verletzten behandelt wurden. Samstag und Sonntag über kam es im Umkreis der Kirche und am Rande der Begräbnisse der Opfer immer wieder zu wütenden Proteste der Christen.

Die Polizei ging gegen die Demonstranten mit Schlagstöcken und Tränengas vor. Dabei seien vier Christen verletzt worden, schrieb «Al Masri Al-Youm» unter Berufung auf Ärzte im St. Markus-Spital.

Im Stadtteil Schobra demonstrierten aber auch Muslime und Christen gemeinsam gegen die terroristische Gewalt. Die Teilnehmer der Kundgebung hielten Kreuze und Koran-Ausgaben hoch.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak rief alle Ägypter, ob Christen oder Muslime, zu Geschlossenheit bei der Bekämpfung des Terrorismus auf. Seine Behörden würden dafür sorgen, dass die Täter aufgespürt würden und «dem Terrorismus der Arm abgehackt» werde, erklärte Mubarak in einer Fernsehansprache. Auch das amtliche Islam- Institut Al-Azhar und die oppositionelle islamische Moslembruderschaft verurteilten den Anschlag.

US-Präsident Obama bezeichnete die Terroranschläge in Ägypten und Nigeria, bei denen in der Silvesternacht insgesamt rund 50 Menschen starben, als «ungeheuerlich». «Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Anschlag», sagte auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in einer in Brüssel verbreiteten Mitteilung.

Die Menschen sollten «den Schrei der vielen Kriegsopfer - Männer, Frauen, Kinder und Alten - anhören», sagte der Papst wenige Stunden nach dem Anschlag von Alexandria. Auch die Herrscher und Präsidenten der anderen arabischen Länder zeigten Abscheu für die Terrortat. Bundesaußenminister Westerwelle zeigte sich bestürzt über den Anschlag und erklärte: «Ich verurteile diesen Akt der Brutalität gegen Menschen, die bei einer Messe friedlich das neue Jahr begehen wollten, auf das Schärfste.»

Terrorismus / Ägypten
02.01.2011 · 20:28 Uhr
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