Großbritannien

Entsetzen nach Terroranschlag auf Synagoge in Manchester

02. Oktober 2025, 23:07 Uhr · Quelle: dpa
Ein brutaler Angriff auf eine Synagoge in Manchester fördert zwei Tote. Politische Führer versprechen schärferen Kampf gegen Antisemitismus und erhöhten Schutz für jüdische Gemeinden.

Manchester (dpa) - Der Angriff auf Menschen vor einer Synagoge in Manchester mit zwei Todesopfern am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hat in Großbritannien großes Entsetzen ausgelöst. König Charles III. zeigte sich «zutiefst schockiert und betrübt» über die Tat. Premierminister Keir Starmer brach seine Teilnahme am Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Kopenhagen ab, um eine Krisensitzung in London zu leiten.

Die Polizei geht von einer Terrortat aus. Der Angreifer wurde erschossen. Am späteren Abend wurden erste Details zum mutmaßlichen Täter bekannt. Obwohl eine formelle Identifizierung noch ausstehe, gehe man davon aus, dass es sich um einen 35 Jahre alten britischen Staatsbürger syrischer Abstammung handele, teilte die Greater Manchester Police mit. Zudem seien zwei Männer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren und eine Frau in den Sechzigern wegen des Verdachts der Begehung, Vorbereitung und Anstiftung zu Terroranschlägen im Zusammenhang mit der Tat festgenommen worden, hieß es weiter.

Zahlreiche Rettungswagen und schwer bewaffnete Polizisten

Wie Manchesters Polizeipräsident, Stephen Watson, bei einer Pressekonferenz sagte, lenkte der Angreifer ein Auto gezielt auf Menschen vor der Synagoge der Heaton Park Hebrew Congregation im Norden der Stadt. Danach griff er Menschen mit einem Messer an, bevor er von der Polizei gestoppt wurde. Bei den beiden Getöteten handelte es demnach um Mitglieder der jüdischen Gemeinde. 

Am späteren Abend hieß es von der Greater Manchester Police, drei Verletzte befänden sich weiter mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Einer habe eine Stichwunde erlitten, ein Zweiter sei von dem am Angriff beteiligten Auto erfasst worden. Der dritte Mann sei später mit einer Verletzung im Krankenhaus vorstellig geworden, die er sich möglicherweise zugezogen habe, als die Beamten den Angreifer stoppten, hieß es von der Polizei weiter.

Eine Bestätigung für den Tod des Angreifers hatte aus Sicherheitsgründen stundenlang auf sich warten lassen. Er habe eine Weste getragen, die an einen Sprengstoffgürtel erinnerte, sagte Watson. Ein Bombenentschärfungsteam war deswegen im Einsatz. Während des Angriffs habe sich eine große Zahl von Menschen in der Synagoge aufgehalten, sagte Watson. Dank des Muts des Sicherheitspersonals und der Gläubigen sowie der schnellen Reaktion der Polizei sei der Angreifer jedoch am Eindringen gehindert worden.

Charles und Camilla sind «zutiefst schockiert»

Der britische König Charles und Königin Camilla seien «zutiefst schockiert und betrübt von der Nachricht über den furchtbaren Angriff in Manchester, vor allem an so einem bedeutenden Tag für die jüdische Gemeinschaft», zitierte die britische Nachrichtenagentur PA eine Mitteilung des Palasts. Ihre Gedanken und Gebete seien bei all denen, die von dem entsetzlichen Vorfall betroffen seien. Auch das Thronfolgerpaar Prinz William und Prinzessin Kate zeigten sich bestürzt. Ihre Gedanken seien bei den von dem furchtbaren Angriff betroffenen Opfern und deren Familien, hieß es in einer Mitteilung auf X.

«Die Tatsache, dass sich dies am Jom Kippur ereignete, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, macht es umso furchtbarer», sagte der britische Premierminister Keir Starmer einer Mitteilung zufolge. Er reiste vorzeitig vom Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) in Kopenhagen ab, um eine Sitzung des nationalen Krisenstabs Cobra zu leiten. Starmer sagte zusätzlichen Polizeischutz für Synagogen im ganzen Land zu. «Wir werden alles tun, um unsere jüdische Gemeinschaft zu schützen», sagte er am Flughafen in Kopenhagen. Nach der Sitzung des Krisenstabs wandte er sich in einer TV-Ansprache an die Menschen im Land und versprach, dem wachsenden Antisemitismus im Land Einhalt zu gebieten. 

«Ich weiß, dass viele jüdische Menschen in unserem Land das Gefühl haben, dass sie nicht mehr sicher sind und ich fühle mit den Menschen, die verletzt wurden und jedem, der betroffen ist», sagte Oppositionsführerin Kemi Badenoch von der konservativen Partei.

Entsetzen und Kritik in Israel

Der Angriff sorgte in Israel für Entsetzen. «Israel trauert mit der jüdischen Gemeinde in Großbritannien nach dem barbarischen Terroranschlag», sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach Angaben seines Büros. «Schwäche gegenüber Terrorismus führt nur zu mehr Terrorismus», warnte er zugleich.

Auch Israels Außenminister Gideon Saar äußerte nach dem Anschlag Anteilnahme: «Ich stehe an der Seite der wunderbaren jüdischen Gemeinde Großbritanniens, die derzeit unter einer schrecklichen Welle des Antisemitismus leidet.» Britische Behörden hätten dem nichts entgegengesetzt, kritisierte er zugleich. Israel erwarte von der Regierung «einen Kurswechsel» und «eine konsequente Bekämpfung der grassierenden antisemitischen und antiisraelischen Hetze in Großbritannien».

Erinnerungen an Angriff auf Synagoge in Halle

Die Tat weckt Erinnerungen an den Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale). Ebenfalls am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur verübte der damals 27-jährige Rechtsterrorist Stephan Balliet am 9. Oktober 2019 einen Anschlag auf die Synagoge. Da die massive Eingangstür seinem Angriff standhielt, konnte ein Massaker unter den mehr als 50 dort versammelten Menschen verhindert werden. 

Stattdessen erschoss Balliet eine 40-jährige Passantin und einen 20-jährigen Mann in einem Döner-Imbiss. Bevor er gefasst wurde, verletzte er auf der Flucht weitere Menschen. Balliet, der die Tat live ins Internet streamte, bekannte sich zu antisemitischen und rassistischen Motiven. 2020 wurde er zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Angriff am höchsten jüdischen Feiertag

Jom Kippur ist der höchste jüdische Feiertag, der im gregorianischen Kalender von Jahr zu Jahr auf unterschiedliche Daten im September oder Oktober fällt. In Israel kommt das öffentliche Leben nahezu vollständig zum Stillstand: Geschäfte, Restaurants und Behörden bleiben geschlossen, der Flug- und Straßenverkehr ruht weitgehend. Gläubige verbringen den Tag mit Fasten, Gebeten und der Bitte um Vergebung. Auch säkulare Israelis schätzen die Ruhe, viele nutzen die leeren Straßen zum Radfahren und Spazierengehen. Auch in Großbritannien und weltweit sind Synagogen an dem Tag gut besucht.

Kriminalität / Großbritannien
02.10.2025 · 23:07 Uhr
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