Energieschatz oder Verlustgeschäft? Der Streit um Polens Küstenprojekte
An der polnischen Ostseeküste sorgen neue Industrieprojekte für Diskussionen. In der Nähe der beliebten Ferieninsel Usedom plant Polen ein riesiges Containerterminal sowie umfangreiche Öl- und Gasförderaktivitäten. Diese Vorhaben stoßen auf Widerstand, sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht.
Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, macht deutlich, dass die Zukunft nicht in fossilen Brennstoffen, sondern in erneuerbaren Energien liege. Diese Aussage folgte auf die Nachricht, dass das kanadische Unternehmen Central European Petroleum in der Region Öl- und Gasreserven von bis zu 200 Millionen Barrel Öläquivalent entdeckt hat. Das Vorkommen in Wolin East befindet sich nur wenige Kilometer von Swinemünde entfernt und ist auch für Usedom sichtbar. Sollte das Ölfeld tatsächlich so ergiebig sein, wäre es der größte fossile Fund in Polen seit dem Zweiten Weltkrieg.
Solche Projekte stehen allerdings im Kreuzfeuer der Kritik. Der Umweltminister und weitere Gegner befürchten Umweltbelastungen wie Lärm und Schäden an Flora und Fauna. Auch die Bürgermeisterin von Heringsdorf, Laura Isabelle Marisken, sieht im Vorhaben eine Bedrohung für den Naturschutz und den Erholungswert der Region. Gleichzeitig warnt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung vor den grenzüberschreitenden Risiken. Sie betont, dass die Förderung fossiler Energien den Klimazielen widerspricht.
Ein weiteres Konfliktthema ist das geplante Containerterminal in Swinemünde. Die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern und die Gemeinde Heringsdorf haben gegen die Genehmigung des Vorhabens geklagt. Kritikpunkte sind unter anderem unzureichende Prüfungen hinsichtlich möglicher Munitionsreste im Meer. Während ein polnisches Verwaltungsgericht tatsächliche Lücken im Prüfverfahren erkannte, bleibt die Zukunft des Projekts ungewiss. Der Bau des Hafens, der große Containerschiffe abwickeln soll, ist frühestens für Ende 2028 geplant.

