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«Eine Katastrophe»: 2.137 Drogentote im vergangenen Jahr

07. Juli 2025, 14:23 Uhr · Quelle: dpa
Kokainschwemme, Crack und immer gefährlichere Drogen aus dem Labor: Vorbei sind die Jahre mit relativ niedrigen Drogentotenzahlen. Viele der Opfer sind jung.

Berlin (dpa) - 2.137 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland an ihrem Drogenkonsum gestorben. Nach einem Rekordwert im vergangenen Jahr sind es 90 Fälle weniger, wie der neue Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck in Berlin mitteilte. Besorgniserregend sei aber verbreiteter Mischkonsum. Auch immer neue Substanzen und Beimengungen aus dem Chemielabor steigerten die Risiken. Dringenden Handlungsbedarf sieht Streeck wegen des jugendlichen Alters vieler Konsumentinnen und Konsumenten. Bei den Unter-30-Jährigen gab es einen Anstieg der Todesfälle um 14 Prozent.

Gemischter Konsum sei noch nie so verbreitet gewesen, sagte Streeck. Bei 1.707 Fällen und somit dem Großteil waren mehrere Substanzen im Spiel: darunter 640 Mal Heroin, 604 Mal ein Opiat-Substitutionsmittel wie Methadon, 637 Mal Kokain oder Crack und 459 Mal Amphetamine. Bei anderen Toten wurde laut Bundeskriminalamtsstatistik nur eine Substanz festgestellt. Dabei steht Heroin mit 72 Todesfällen an der Spitze, gefolgt von Kokain/Crack und Opiat-Substituten mit jeweils 61 Todesfällen.

«Immer gefährlichere Drogen»

«Wir müssen schneller, systematischer und konsequenter reagieren auf neue, immer gefährlichere Drogen», sagte Streeck. Einen sprunghaften Anstieg gab es bei den Todesfällen in Zusammenhang mit synthetischen Opioiden. Den Anstieg dieser künstlich hergestellten Rauschstoffe führte der Mediziner auch auf das Opiumverbot der in Afghanistan herrschenden Taliban zurück. Schlafmohnfelder wurden in großem Stil zerstört. Opioide aus dem Labor seien demnach zunehmend an die Stelle getreten.

Synthetische Opioide wie Nitazene kämen dabei auch häufig als Beimengung vor, sagte Streeck. «Man weiß gar nicht, wie viel da drin ist.» Ausgestattet mit einer Potenzwirkung bis zum 500-fachen könne «das einfach bei der ersten Einnahme tödlich sein».

Verdoppelung der Fälle

Seit Jahren gehen die Drogentotenzahlen tendenziell nach oben. «Wir haben eine Verdoppelung in den letzten 10, 12 Jahren. (...) Das ist eine Katastrophe», sagte Dirk Schäffer, drogenpolitischer Referent der Deutschen Aidshilfe. Ein zentraler Grund sei, «dass wir deutlich vermehrt riskante Substanzen haben in den letzten zehn Jahren». 

2023 hatte es bundesweit 2.227 Drogentote gegeben - und damit 237 mehr als 2022 und doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Es handelte sich um die höchste bis dahin registrierte Zahl. Wegen Lücken bei toxikologischen Gutachten und Obduktionen ist die Dunkelziffer laut Experten hoch.

Schäffer beschrieb die sichtbaren Folgen des zunehmenden Crack-Konsums. Crack führe zur rasanten Verelendung von Menschen. «Das hatten wir vor zehn Jahren so nicht», sagte der Drogenexperte der Aidshilfe. Crack-Konsumenten würden oft obdachlos und konsumierten im öffentlichen Raum. Crack ist Kokain, das nach Verbacken intensiver, aber auch kürzer wirkt.

«Eine pandemische Dynamik»

«Wir erleben eine quasi pandemische Dynamik», sagte Streeck. «Einzelne Ausbrüche, neue Substanzen, schnelle Verbreitung, lückenhafte Datenlage - und ein System, das zu träge ist, um rechtzeitig zu reagieren.» Streeck warnte: «Wenn wir nicht aufpassen, verschärft sich diese Entwicklung in wenigen Jahren zu einer Krise mit massiven gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen».

Auch international hatten Expertinnen und Experten Alarm geschlagen. So haben im vergangenen Jahr in der EU rund 2,7 Millionen junge Erwachsene Kokain konsumiert. Die Sicherheitsbehörden hatten der seit einigen Jahren beobachteten Kokainschwemme aus Südamerika auch in Deutschland den Kampf angesagt.

«Direkt ins Jugendzimmer»

Streeck geht auch davon aus, dass die Risikobereitschaft Jugendlicher steige. Sie müssten nicht Dealer auf der Straße aufsuchen, sondern bestellten Substanzen im Internet, im Darknet oder über Telegram «direkt ins Jugendzimmer». «Ohne dass hier im Umfeld jemand das mitbekommt, so dass wir in dieser Konstellation natürlich sehr viel eher auf Unvorhergesehenes achten, schneller reagieren müssen, also insgesamt reaktionsfreudiger werden müssen.»

Streeck will mehr Erkenntnisse

Zentrale Forderung des Mediziners und Politikers: ein systematisches, flächendeckendes Monitoring- und Warnsystem, das schnell erkennt, welche Substanzen auf dem Markt zirkulieren und wie Ärzte und Sozialdienste am besten helfen können. «Wir dürfen nicht den Fehler machen wie in der Pandemie: zu spät Daten erheben, zu spät reagieren, zu lange auf Sicht fahren», sagte Streeck, der als Virologe während der Corona-Lockdowns gefragter Experte war. Nur in der Minderheit von 865 Todesfällen wurde 2024 ein toxikologisches Gutachten angefertigt.

Positiv äußerte sich Streeck, der auch für die CDU im Bundestag sitzt, etwa über Drogenkonsumräume, wie sie von Experten gefordert werden, weil diese Leben retten könnten. Diese sehe er komplett unideologisch.

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07.07.2025 · 14:23 Uhr
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