Eine Dekade der Herausforderungen: Zukunftsausblick für Aktienmärkte und Anleihen
Die jüngsten Studien von JPMorgan Asset Management und der Deutschen Bank bieten spannende Einblicke in die langfristige Performance der Kapitalmärkte. Sie beleuchten Rendite-Pfade für Aktien, Anleihen und Cash und werfen einen Blick auf historische Marktentwicklungen, die als Orientierung für die nächsten Jahre dienen können.
Ein bemerkenswertes Ergebnis ist der beachtliche Datensatz, den die Studien zur Verfügung stellen. Historische Anekdoten wie der nahezu vollständige Verlust bei deutschen Anleihen zwischen 1910 und 1916 contra den minimal besseren Emissionen von 1917 und 1918, die Jahrzehnte brauchten, um einen Ausgleich zu erreichen, sind eindrucksvoll. Solche Beispiele zeigen, dass Anleihen sich in Zeiten hoher Inflation als verlustreich erweisen können. Auch historische Verluste an den Aktienmärkten, wie die über mehrere Jahrzehnte anhaltenden Baisse-Phasen in der Schweiz und Griechenland, unterstreichen die Risiken, die in turbulenten Zeiten bestehen. Dennoch bleibt die Möglichkeit eines Totalverlusts in den heutigen entwickelten und aufstrebenden Märkten hochgradig unwahrscheinlich.
Diese Daten erinnern Anleger daran, welche Einflüsse politische und wirtschaftliche Krisen auf Renditen haben können. Sie verdeutlichen zugleich, dass die meisten Märkte gewisse Risikoprämien bieten, die das Potenzial für Erträge beinhalten.
**Aktienmarkt**
Der Aktienmarkt wird langfristig von Faktoren wie Wachstum, Margenerweiterung, Technologie und Innovation angetrieben. In den kommenden Jahren wird insbesondere die Verbreitung von KI und technologischen Neuerungen Renditen beeinflussen. Die Outperformance der US-Märkte könnte nachlassen, weshalb internationale Diversifikation und eine Minimierung von Klumpenrisiken ratsam sind. Aktives Management könnte Vorteile gegenüber passiven Index-Strategien bieten.
**Anleihenmarkt**
Die Performance von Anleihen wird vor allem durch Inflationserwartungen, Geldpolitik, Fiskaldefizite und Risikoaufschläge beeinflusst. Mit steileren Zinskurven durch höhere Defizite und Protektionismus entstehen attraktivere Anleihemöglichkeiten. Analysten erwarten bis 2026 eine höhere Inflationsvolatilität, was inflationsgeschützten Anleihen einen Vorteil verschaffen könnte.
**Cash**
Kurzfristig wird die Cash-Rendite vom Leitzins bestimmt, jedoch langfristig durch Inflation und Krisen. Bei andauernder Inflation bleibt Cash attraktiver, verliert jedoch oft in realen Werten gegenüber Aktien und Anleihen. Anleger sollten daher immer die Opportunitätskosten im Auge behalten.
Beide Studien stützen die These der Bewertungskorrektur: Bewertungsniveaus werden zukünftig eine bedeutendere Rolle bei der Performance der wichtigsten Anlageklassen spielen als technologische Disruptionen. Besonders Anhänger der US-Exzeptionalismus-These werden bemerken, dass technologischer Vorsprung allein nicht ausreichen wird. Private Equity wird aufgrund von M&A-Zugängen und Illiquiditätsprämien als vielversprechend angesehen, während Anleihen von erhöhter Volatilität und risikoadjustierten Renditen profitieren könnten.
Die Studien unterstreichen, dass bei Hochzinsanleihen mit steigender Inflation die Vorteile gegenüber Staatsanleihen nur von begrenzter Dauer sind. Rezessionen könnten zu erhöhten Ausfallrisiken führen, wobei Staatsanleihen als Sicherheitsanker dienen könnten.

