Ein gebrochenes Versprechen – Warum Fans „Gears of War: Reloaded“ auf Steam zerreißen
Eigentlich sollten die Fanfaren ertönen. Gears of War: Reloaded, die generalüberholte Neuauflage des legendären Deckungs-Shooters, erntet von der Fachpresse durchaus positive Resonanz. Doch während Kritiker die grafischen Verbesserungen und das zeitlose Kettensägen-Ballett loben, braut sich in den digitalen Gassen von Steam ein Sturm der Entrüstung zusammen. Das Remaster, das als glorreiche Rückkehr gefeiert werden sollte, steht aktuell bei einem gemischten Bewertungsspiegel, bei dem nicht einmal die Hälfte der über 900 Rezensionen positiv ausfällt. Der Grund für diesen Dämpfer ist kein kleines Ärgernis, sondern entzündet sich an einem fundamentalen Verrat am Geist der Serie und wird durch eine Kaskade technischer Probleme weiter befeuert.
Das fehlende Herzstück: Der Verrat am Couch-Koop
Der zentrale Dorn im Auge der PC-Community ist eine schmerzliche Leerstelle: dem Spiel fehlt auf Steam der lokale Split-Screen-Koop-Modus. Was für manche nur ein nettes Zusatzfeature sein mag, ist für unzählige Gears-Veteranen das pulsierende Herzstück der gesamten Erfahrung. Die Erinnerungen an unzählige Stunden, in denen man Seite an Seite mit einem Freund auf der Couch gegen die Locust-Horden kämpfte, sind tief in der DNA der Marke verankert. Die Wut der Spieler wird dadurch potenziert, dass dieses Feature offenbar ursprünglich beworben wurde. Archivierte Versionen der Steam-Shopseite zeigen unmissverständlich den Tag „Shared/Splitscreen Co-op“. Ein Nutzer bringt die kollektive Enttäuschung auf den Punkt: „Es wurde mit lokalem Koop auf dem PC beworben, ähnlich wie bei Gears 5, was wir von Anfang bis Ende genossen haben. Das war der Grund, warum wir dieses Spiel gekauft haben. Falsche Werbung ist das Schlimmste.“ Inzwischen wurden die entsprechenden Hinweise von der Seite entfernt – ein stilles Eingeständnis, das den Vertrauensbruch nur noch bitterer macht.
Technische Stolpersteine und Account-Albträume
Als wäre das gebrochene Versprechen nicht schon genug, wird die Steam-Version von einer Reihe frustrierender technischer Probleme geplagt, die auf anderen Plattformen offenbar nicht existieren. An vorderster Front steht ein bizarrer Konflikt mit der obligatorischen Verknüpfung des Microsoft-Accounts. Während der erste Login reibungslos verläuft, berichten zahlreiche Spieler von einer unüberwindbaren Hürde bei jedem weiteren Startversuch – ein Gordischer Knoten, der den Zugang zum Spiel komplett verwehrt. Interessanterweise scheint diese Misere spezifisch für die Steam-Version zu sein; Nutzer der Microsoft-Store- und Game-Pass-Variante melden derartige Schwierigkeiten nicht. Hinzu kommen Berichte über Abstürze, die getriggert werden, sobald man versucht, die Grafikeinstellungen zu ändern. Ein weiterer Beleg dafür, dass die Portierung auf Valves Plattform nicht die nötige Sorgfalt erhalten hat.
Ein Schatten auf einer sonst glorreichen Rückkehr
Diese unheilvolle Allianz aus einem gebrochenen Kernversprechen und technischen Unzulänglichkeiten wirft einen langen Schatten auf das, was im Grunde eine exzellente Modernisierung eines Klassikers ist. Gears of War: Reloaded bringt das Original von 2007 mit 4K-Auflösung, überarbeiteten Texturen, geschmeidigen 60 FPS in der Kampagne und pfeilschnellen 120 FPS im Multiplayer ins Hier und Jetzt. Sämtliche DLCs und Inhalte der Ultimate Edition sind ebenfalls an Bord. Doch all dieser Glanz verblasst für viele PC-Spieler angesichts der fundamentalen Mängel, die eine gemeinsame Session auf der Couch unmöglich machen und den Spielstart zum Glücksspiel degradieren.


