E.ON erhöht trotz Corona-Krise seinen Ausblick - Aktie springt an

Das bereinigte EBIT stieg um 8 Prozent auf 3,235 Milliarden Euro. Das war oberhalb der Erwartungen von Analysten (3,197 Milliarden Euro). Die eigene Prognose, die der Konzern erst im November auf 3,1 bis 3,3 Milliarden Euro angehoben hatte, konnte der Konzern komfortabel erreichen. Unterm Strich wuchs der Überschuss um 2 Prozent auf 1,536 Milliarden Euro, was ebenfalls in der Spanne der Konzern-Erwartungen liegt.

Zwar sei die Energiebranche von der Rezession nicht so hart getroffen wie andere Branchen, betonte E.ON-Chef Johannes Teyssen, dennoch erwarte er "sichtbare Spuren in der Bilanz". So gehe der Energieverbrauch bei Industrie und Gewerbe "spürbar" zurück. "Wir werden alles dafür tun, die Versorgungssicherheit auch in dieser Situation verlässlich aufrecht zu erhalten", bekräftigte Teyssen.

Da E.ON im Ergebnis erstmals den innogy-Beitrag ausweist, bestätigt der Essener Konzern dennoch seine Dividende und hebt seine Prognose für 2020 deutlich an. Erwartet werden nun ein EBIT zwischen 3,9 und 4,1 Milliarden Euro und ein bereinigter Konzernüberschuss zwischen 1,7 und 1,9 Milliarden Euro. Die Verluste der britischen innogy-Tochter Npower hofft das Unternehmen langfristig auszugleichen. Der Konzernzuwachs zeigte sich auch in der Bilanz - im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 38 Prozent auf 41,484 Milliarden Euro.

Zudem schließt sich E.ON den anderen deutschen Versorgern bei den Klimazielen an. Bis 2040 will der DAX-Konzern CO2-neutral werden, hat der Vorstand beschlossen.

E.ON verschiebt wegen der Corona-Krise die für den 13. Mai geplante ordentliche Hauptversammlung und damit auch die versprochene Dividendenzahlung von 0,46 pro Aktie. Das Treffen soll nun Mitte Juni stattfinden.

E.ON-Aktien steigen - Aussagen zur Dividende sorgen für Zuversicht

Positiv aufgenommene Aussagen zu künftigen Ausschüttungen haben die E.ON-Aktionäre die Folgen der Viruskrise etwas besser verschmerzen lassen. Auch die nun bekannt gegebenen Geschäftsziele des Energiekonzerns überzeugten am Mittwoch die Anleger.

Die E.ON-Aktien waren im Zuge der zwischenzeitlichen Markterholung um fast 13 Prozent auf 9,378 Euro in die Höhe gesprungen. Damit hatten sie zum einen fast die Hälfte der seit Beginn des virusbedingten Börsencrash am 24. Februar erlittenen Verluste wettgemacht. Zum anderen hatten sich die Anteilsscheine damit sehr nah an die 200-Tage-Durchschnittslinie bei aktuell 9,395 Euro herangerobbt, die als Indikator für den längerfristigen Trend gilt.

Am Mittwoch schlossen die E.ON-Papiere den XETRA-Handel um 6,5 Prozent teurer bei 8,86E Euro.

E.ON kündigte an, die Dividende jährlich um bis zu fünf Prozent erhöhen zu wollen bis einschließlich der Dividende für das Geschäftsjahr 2022. Auch danach soll die Zahlung an die Aktionäre jährlich steigen. Das sorge am Markt für Zuversicht und zeige, dass E.ON-Aktien ein starkes Investment seien, sagte ein Händler mit Blick auf die Dividendenrendite.

Auch insgesamt seien die von dem Konzern ausgehenden Signale beruhigend, ergänzte der Experte Ahmed Farman vom Analysehaus Jefferies. E.ON will nach der Übernahme des Konkurrenten innogy den Gewinn in den kommenden Jahren deutlich steigern. Dabei helfen sollen Einsparungen in Verwaltung und IT. Nach der Übernahme wird E.ON zum reinen Netz- und Vertriebsunternehmen; zudem wird der Anteil regulierter Geschäfte bei dem Energiekonzern bei rund 80 Prozent liegen. Damit werde E.ON berechenbarer und widerstandsfähiger, ist Konzernchef Johannes Teyssen überzeugt.

Experten äußerten sich derweil auch zu den Geschäftszielen von E.ON erfreut. Der mittelfristige Ausblick auf das Jahr 2022 sei positiv zu werten, schrieb der Fachmann John Musk vom Analysehaus RBC. Der Energiekonzern liefere in unsicheren Zeiten ab. Der Experte Alberto Gandolfi von der US-Investmentbank Goldman Sachs sprach von soliden Zielen.

Analyst Peter Crampton von der britischen Investmentbank Barclays bezeichnete E.ON als seinen bevorzugten europäischen Branchenwert. Anleger übersähen, wie stark der Konzern über Kostensenkungen und höhere Wachstumsinvestitionen in die Stromverteilung den Gewinn je Aktie und auch die Dividende steigern könne. Die Papiere würden im Vergleich zu anderen regulierten Energiekonzernen weiterhin mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gehandelt. Die Differenz zwischen der erwarteten Dividendenrendite und der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei aktuell noch zu hoch.

Dank ihrer recht geringen Abhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung haben die E.ON-Aktien seit Jahresbeginn lediglich rund 9 Prozent eingebüßt. Der DAX hingegen hat in diesem Zeitraum mehr als ein Viertel an Wert verloren. Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie hat die Anleger in den letzten Wochen weltweit in die Flucht geschlagen.

E.ON-Chef erwartet Abschluss des innogy-Squeeze-Outs im September

Der Energieversorger E.ON SE rechnet mit dem Abschluss des Squeeze-Outs der verbleibenden innogy-Aktionäre bis Herbst. Er gehe vom Monat September aus, "wenn es keine Überraschung gibt", sagte Konzernchef Johannes Teyssen in einer Telefonkonferenz anlässlich der Vorstellung des Jahresgeschäftsberichts. Bislang gebe es zwar keine Klage von betroffenen innogy-Anteilseignern, aber er gehe "von der einen oder anderen Klage aus", so Teyssen. So seien bereits 40 bis 50 Widersprüche beim zuständigen Notar registriert. E.ON hatte eine Barabfindung von 42,82 Euro je innogy-Aktie angeboten.

DJG/pso/kla

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[finanzen.net] · 25.03.2020 · 18:22 Uhr
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