21. Verhandlungstag

Druck auf Zeugen? Strenge Ermahnung im Block-Prozess

11. November 2025, 18:00 Uhr · Quelle: dpa
Die Richterin im Block-Prozess warnt vor Zeugendruck und droht mit Haft. Neue Zeugenaussagen können den Fall weiter verkomplizieren.

Hamburg (dpa) - Die Vorsitzende Richterin im Hamburger Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat der Angeklagten Mutter mit einem Haftbefehl gedroht. Grund dafür ist die Kontaktaufnahme von Christina Block zu einem Zeugen.

«In aller Deutlichkeit, dass diese Kammer nicht zögern wird, einen Haftbefehl zu erlassen, sollte die Kammer zu der Überzeugung kommen, dass Druck auf Zeugen ausgeübt wird», sagte die Vorsitzende der Strafkammer am Hamburger Landgericht, Isabel Hildebrandt, an die Angeklagte gerichtet.

Die Tochter des Gründers der Restaurantkette «Block House», Eugen Block, ist angeklagt, während eines langen Sorgerechtsstreits den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 in Auftrag gegeben zu haben. Eine israelische Sicherheitsfirma soll den damals zehnjährigen Sohn und die 13-jährige Tochter aus der Obhut des in Dänemark lebenden Vaters entführt und nach Deutschland gebracht haben.

Erkranktem Zeugen gute Besserung gewünscht 

Blocks Verteidiger Ingo Bott bestätigte, dass seine Mandantin einem erkrankten älteren Zeugen gute Besserung gewünscht habe. «"Gute Besserung!" ist keine Verdunkelung, gerade bei einer schweren Erkrankung darf man das wünschen», sagte Bott. Das Gericht selbst habe die Erkrankung des Zeugens bekanntgegeben.

Die Richterin erklärte weiter, es sei dem Gericht zugetragen worden, dass Christina Block auf Zeugen in Israel Druck ausübe, nicht in dem Prozess auszusagen. Der geständige, in Haft sitzende israelische Angeklagte wurde dazu von der Richterin befragt und gab an, er habe mit seinem Vater und einem Freund in Israel telefoniert. Dabei hätten sie davon berichtet. Es sei aber nicht klar, woher sie das wüssten. Möglicherweise hätten sie das in Zeitungen gelesen. Es könnten aber auch Gerüchte sein.

IT-Firma beschwor angebliche Gefahr durch Ex-Mann

Die israelische Sicherheitsfirma, die die Kinder aus Dänemark laut Anklage entführte, sollte nach Angaben von Christina Block nur die IT-Sicherheit im Hotel Grand Elysée verbessern. Die Rückholaktion hätten die Israelis auf eigene Faust und ohne ihr Wissen gemacht.

Die Firma wollte nach Angaben zweier Zeugen einen großen Auftrag von der gesamten Block-Gruppe. Der Geschäftsführer der Firma habe über ein Gefahrenpotenzial gesprochen, das angeblich von dem Ex-Mann von Christina Block, Stephan Hensel, ausgehe. Welche Gefahren konkret drohten, wurde aber nicht gesagt. «Am Ende des Tages konnten sie uns keine Beweise vorlegen», sagte der IT-Chef der Block-Gruppe als Zeuge.

Der Zeuge sagte weiter, er selbst und ein IT-Abteilungsleiter der Block-Gruppe hätten sich insgesamt viermal mit der israelischen Firma getroffen, zuletzt Ende November 2023. Er habe davon auch dem damaligen Unternehmenschef per Mail berichtet. Dieser habe schnell reagiert und verlangt, die Kontakte sofort einzustellen, erklärte der IT-Chef.

«Noch nie mit einem ehemaligen Geheimagenten zu tun gehabt»

Beim letzten Treffen habe der israelische Geschäftsführer erklärt, seine Firma sei bis Anfang 2024 bezahlt und könne der Block-Gruppe bei der IT-Sicherheit helfen. Wer gezahlt haben soll, konnte der Zeuge nicht beantworten. Der Chef der israelischen Sicherheitsfirma habe aber erklärt, der Auftrag, die IT-Sicherheit des Hotels unter die Lupe zu nehmen, sei von der Familie Block erteilt worden.

Nach Angaben des IT-Chefs hatte sich der Geschäftsführer als ehemaliger Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und als früherer Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad vorgestellt. «Ich habe noch nie mit einem ehemaligen Geheimagenten zu tun gehabt», sagte der 60-Jährige.

Der Verteidiger des Israelis, Sascha Böttner, erklärte, die Zeugenaussage des Block-IT-Chefs zeige, welch zentrale Figur der Leiter der israelischen Sicherheitsfirma in diesem Fall sei. Als Mossad-Agent habe er sämtliche Manipulationstechniken erlernt und Legenden verkaufen können.

XXL-Prozess wird verlängert

Sieben Angeklagte, eine lange Zeugenliste und immer neue Anträge: Das Landgericht Hamburg geht davon aus, dass der Prozess länger als geplant dauern wird. 19 neue Verhandlungstermine bis Ende Juni 2026 wurden angesetzt. Sollten tatsächlich alle gebraucht werden, wären es insgesamt 71 Prozesstage. Kritik an der Länge des Verfahrens kam erst kürzlich vom Verteidiger des angeklagten Israeli, denn der 36-Jährige sitzt als einziger Angeklagter in Untersuchungshaft.

Aussetzung des Verfahrens beantragt

Der Verteidiger des Ex-Sportmoderators Gerhard Delling, David Rieks, beantragte die Aussetzung des Hauptverfahrens. Delling ist wegen Beihilfe angeklagt. Er bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben.

Durch die nachträgliche, förmliche Beschlagnahme aller Dateien auf 34 Handys, Mobilgeräten und Laptops der Angeklagten durch das Landgericht sei der Aktenbestand um mehr als ein Terabyte an Daten gewachsen. Der Umfang sei so groß, dass die Verteidigung zur angemessenen Vorbereitung eine Aussetzung brauche, sagte Rieks. Die Entscheidung dazu ist noch offen.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

Prozess (Gericht) / Leute / Kriminalität / Gesellschaft / Hamburg / Deutschland
11.11.2025 · 18:00 Uhr
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