Nato-Land Dänemark

«Hybrider Angriff» mit Drohnen auf dänische Flughäfen

25. September 2025, 20:34 Uhr · Quelle: dpa
Drohnenalarm in Dänemark
Foto: Emil Helms/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa
Sprechen von einem «hybriden Angriff»: Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen und Justizminister Peter Hummelgaard.
Dänemark meldet weitere Drohnensichtungen an Flughäfen, die als hybrider Angriff gewertet werden. Regierung und NATO prüfen die Bedrohung für kritische Infrastruktur.

Kopenhagen (dpa) - Nach erneuten Drohnensichtungen an mehreren Flughäfen, die als «hybrider Angriff» gewertet werden, erhöht Dänemark die Alarmbereitschaft. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach nach einem Krisenaustausch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte von einer «ernsten Situation», in Deutschland sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius: «Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im kompletten Frieden.»

Die dänischen Behörden gehen davon aus, dass ein professioneller Akteur für die Zwischenfälle im Luftraum verantwortlich ist. Genauere Details dazu wurden nicht bekanntgegeben. Es gebe keine Informationen, die es erlauben würden, die Urheber zu benennen, sagte der Leiter des Militärgeheimdienstes FE, Thomas Ahrenkiel, bei einer Pressekonferenz am Abend. «Wir befinden uns in einer ernsten Situation», sagte er.

Zuvor hatte bereits der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen in einem Interview des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gesagt, es lägen nicht ausreichend Informationen vor, um sich auf einen Verantwortlichen festzulegen. Der Leiter des Inlandsgeheimdienstes PET, Finn Borch, sagte, es sehe aus wie eine Art hybrider Kriegsführung, die auch anderswo in Europa zu beobachten sei. Das Risiko russischer Sabotage in Dänemark sei groß. Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen hatte am Morgen von einem «hybriden Angriff mit verschiedenen Typen von Drohnen» gesprochen. 

Russland dementierte in einer Mitteilung der Botschaft in Dänemark Vermutungen, für den Drohneneinsatz verantwortlich zu sein. Die dänischen Behörden schließen zu diesem Zeitpunkt nichts aus. Pistorius sprach von einer neuen Realität, «mit der wir umgehen». Drohneneinsätze gehörten zur Strategie des russischen Präsidenten Wladimir Putins, ohne «dass wir es in dem Fall konkret sagen könnten», meinte der SPD-Politiker. «Wir werden attackiert, hybrid, mit Desinformationskampagnen und eben durch Drohneneindringen.»

Immer neue Drohnensichtungen gemeldet

Nur zwei Tage nach dem umfassenden Drohnenalarm am Flughafen Kopenhagen waren am späten Mittwochabend bis in die Nacht zum Donnerstag weitere Drohnen über einer Reihe von dänischen Flughäfen gesichtet worden. Am Flughafen Aalborg im Norden des Nato-Landes musste vorübergehend der Luftraum gesperrt werden.

Auch in der Nähe der Flughäfen in der wichtigen Hafenstadt Esbjerg, in Sønderborg nahe der deutschen Grenze sowie in der Kleinstadt Billund wurden Drohnen beobachtet. Ebenso am Militärflugplatz Skrydstrup. Alle diese Orte befinden sich in Jütland, dem westlichen Teil von Dänemark, der im Süden an Deutschland grenzt. Eine Gefahr für Flugpassagiere und Menschen habe nicht bestanden, teilten die zuständigen Polizeidienststellen mit.

Im Laufe des Donnerstags wurden zudem immer neue Drohnensichtungen in Dänemark gemeldet, darunter über kritischer Infrastruktur wie Militäranlagen, Ölfeldern und Häfen. Von Schiffen in der Nordsee wurden ebenfalls Sichtungen gemeldet, bestätigt sind diese nicht.

Der Nationale Krisenstab (Nost) erhöhte die Einsatzbereitschaft. Ob Nato-Artikel 4 aktiviert wird und damit wie zuletzt andere Bündnisstaaten Beratungen der Allianz in Gang gesetzt werden, sei noch nicht entschieden, sagte Lund Poulsen. Das werde aber in Betracht gezogen. 

Rutte sicherte Frederiksen Solidarität und enge Kooperation zu. Die Situation werde sehr ernst genommen, schrieb Rutte nach dem Gespräch mit Frederiksen im sozialen Netzwerk X. Die Alliierten arbeiteten gemeinsam daran, die Sicherheit der kritischen Infrastruktur zu gewährleisten.

Massive Störungen in Kopenhagen am Montag

Erst am Montagabend hatte die Sichtung mehrerer größerer Drohnen zur gut vierstündigen Sperrung des Flughafens von Kopenhagen geführt, der zu den wichtigsten Skandinaviens zählt. Rund 100 Flüge wurden gestrichen, Zehntausende Passagiere waren von Beeinträchtigungen betroffen. 

Frederiksen sprach im Anschluss vom «bislang schwersten Anschlag auf dänische kritische Infrastruktur». Wer dahintersteckte, ist weiter unklar. Frederiksen wollte eine Verantwortung Russlands nicht ausschließen. Der Kreml dementierte eine Verwicklung. Mittlerweile läuft der Flugbetrieb in Kopenhagen wieder normal.

Drohnenalarm in der Heimat der Regierungschefin

Nun musste auch der Flughafen in Aalborg - der Heimatstadt von Frederiksen, die als entschiedene Unterstützerin der Ukraine gilt - vorübergehend für Starts und Landungen gesperrt werden. Da der Flughafen deutlich kleiner als der Hauptstadtflughafen ist und die Drohnen erst am späten Mittwochabend gesichtet wurden, mussten lediglich vereinzelte Flüge umgeleitet oder gestrichen werden. Nach wenigen Stunden wurde der Luftraum wieder freigegeben.

Gegen 3.00 Uhr in der Nacht erklärte die Polizei den dortigen Einsatz vor Ort für beendet, kündigte aber intensive Ermittlungen an. Einsatzleiter Jesper Bøjgaard Madsen erklärte, es sei nicht gelungen, die Drohnen vom Himmel zu holen. Man gehe jedoch davon aus, dass sie sich nicht mehr in der Gegend befänden. Am Morgen konnten erste Flieger wieder abheben.

Die Drohnenaktivität in Aalborg ähnele derjenigen in Kopenhagen, sagte der Chef der dänischen Reichspolizei, Thorkild Fogde, während einer nächtlichen Pressekonferenz. Man sehe ein ähnliches Muster, die Drohnen seien gut sichtbar und mit eingeschaltetem Licht unterwegs. 

Die Polizei vor Ort sprach von mehreren Drohnen einer gewissen Größe - die Reichspolizei schloss bereits aus, dass es sich um private Modelle handelte. Bei dem Vorfall in Kopenhagen ist von Polizeiseite bislang von einem «fähigen Akteur» die Rede, also von Tätern, die die nötigen Fähigkeiten und Werkzeuge haben, um ein solches Manöver zu bewerkstelligen - entweder, um dadurch Unruhe zu stiften oder möglicherweise auch bloß, um auszutesten, wie lange ihre Drohnen in der Luft unbeobachtet bleiben.

Luftverkehr / Kriminalität / Notfall / Dänemark / Deutschland / Russland
25.09.2025 · 20:34 Uhr
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