Dringender Sanierungsbedarf: Jugendherbergen bitten um staatliche Unterstützung
Die rund 400 Jugendherbergen in Deutschland stehen vor einer wegweisenden Aufgabe: Ohne deutliche staatliche Unterstützung drohen vor allem ländlich gelegene Einrichtungen ihre Türen zu schließen, warnt Oliver Peters, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH). In den kommenden acht bis zehn Jahren sei eine Investition von etwa 30 Millionen Euro jährlich erforderlich, um insbesondere energetische Sanierungen und den barrierefreien Umbau der teils historischen Gebäude wie Burgen und Schlösser erfolgreich umzusetzen.
Allein der Austausch einer Heizung reiche hier nicht aus, wie Peters betont. Als gemeinnütziger Verband hat das DJH keine Möglichkeit, bedeutende Gewinne zu erzielen oder große Rücklagen zu bilden. Daher sei eine staatliche Förderung zwingend notwendig, um das Fortbestehen der Jugendherbergen, besonders abseits urbaner Zentren, zu sichern.
Peters spricht in aller Offenheit über die drohende Schließungswelle, sollte diese Unterstützung ausbleiben. Im vergangenen Jahr verzeichneten die 392 deutschen Jugendherbergen 9 Millionen Übernachtungen, ein Rückgang um 2,8 Prozent. Der Hauptgrund hierfür lag in der Aufarbeitung versäumter Klassenfahrten aus den Corona-Lockdowns, ein Phänomen, welches 2024 nicht mehr zu erwarten ist.
Schulklassen bleiben mit 3,7 Millionen Übernachtungen die Hauptkundengruppe, besonders Attraktivität bieten die Jugendherbergen durch ihre pädagogischen Programme rund um Naturerfahrungen und Medienkompetenz. Parallel dazu entdecken mehr Familien und Freizeitgruppen die Jugendherbergen für sich: Letztere machen mittlerweile 14 Prozent der Übernachtungszahlen aus, während Familien 20 Prozent der Buchungen tätigen.
Gerade für Familien besteht noch erhebliches Potenzial, da viele Häuser erschwingliche Angebote bereitstellen. Peters sieht hier Wachstumschancen, die es zu nutzen gilt. Die derzeit etwa 5.100 festangestellten Mitarbeiter der Jugendherbergen stehen somit vor herausfordernden Zeiten. Der Fortbestand der Herbergen hängt mehr denn je von staatlichen Entscheidungen ab.

