Außenpolitische Krisen

Drei Sorgen und ein Glücksfall für Wladimir Putin

17. Januar 2026, 08:38 Uhr · Quelle: dpa
Putin beim orthodoxen Weihnachtsgottesdienst
Foto: Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Mit welcher Bitte hat Kremlchef am orthodoxen Weihnachten wohl diese Kerze angezündet? (Archivbild)
Putin konfrontiert Schwierigkeiten in Venezuela, Iran und Ukraine, doch der Grönland-Streit bietet Russland indirekte Vorteile.

Moskau (dpa) - Der außenpolitische Jahresauftakt für Russlands Präsident Wladimir Putin: Im prächtigen Alexander-Saal des Kremls empfängt er neue ausländische Botschafter. Angekündigt ist eine wichtige außenpolitische Rede. Aber dann? Kein Wort zu Venezuela, zu den Protesten im Iran, zu US-Präsident Donald Trump - den Themen, die den Rest der Welt seit Neujahr in Atem halten.

Putin spricht allgemein über das Völkerrecht - das er mit seinem Krieg gegen die Ukraine bricht - und findet unfreundliche Worte für die europäischen Nachbarstaaten. Mehr nicht. Dabei dürften die Ereignisse seit Neujahr dem Kremlchef vor Augen geführt haben, dass Russland international weniger durchsetzungsstark ist, als er wünscht. Auf diese Schwächen muss Moskau Antworten erst noch finden. Ein Überblick über Putins Probleme:

Sorgenfall Venezuela: Der entführte Schützling 

Mit dem ölreichen Staat im Norden Lateinamerikas ist Russland seit langem verbündet, vergangenes Jahr wurde sogar eine strategische Partnerschaft vereinbart. Und dann nimmt Trumps Militär im Handstreich den Präsidenten Nicolás Maduro fest und bringt ihn in die USA. Die aus Russland gelieferte Flugabwehr - ausgeschaltet. Die Leibwächter aus dem verbündeten Kuba - tot.

Moskau kann nur zusehen. Es muss noch den Spott ertragen, vermutlich habe sich Putin genauso glorreich den Beginn der Invasion in die Ukraine und die Festsetzung des Kiewer Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgestellt.

Venezuela sei für Russland der Versuch gewesen, im Hinterhof der USA Fuß zu fassen, sagte der Experte Alexander Gabuev vom Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin. Doch Putin habe schon den Sturz des syrischen Gewaltherrschers Baschar al-Assad vergangenes Jahr nicht verhindern können. «Das ist keine gute Reklame für Russland als Schutzpatron autoritärer Regime.»

Sorgenfall Iran: Bunte Revolution in Teheran

Im Iran flammen landesweite Proteste auf gegen die autoritäre Herrschaft der Ajatollahs - eine Volkserhebung, wie Putin sie immer als «bunte Revolution» in der Ukraine, Georgien oder im Arabischen Frühling gefürchtet hat. Wie in diesen Fällen sieht der Kreml auch im Iran angebliche Anstifter aus dem Ausland.

Ein Verlust der iranischen Führung als Partner wäre für Moskau schwer zu verschmerzen - nicht nur wegen der gemeinsamen Gegnerschaft zum Westen, sondern weil Teheran Waffen für den Ukraine-Krieg liefert. Ein direktes Eingreifen sei für Moskau eine rote Linie, analysierte Nicole Grajewski in der US-Zeitschrift «Foreign Policy». Doch Moskau tue, was es immer tue, wenn eine autoritäre Regierung ins Wanken gerate: Es habe Teheran Militärausrüstung zur Niederschlagung des Aufstands und zur Ausschaltung des Internets geliefert.

Sorgenfall Ukraine: Die gekaperten Tanker

Auch in Putins Krieg gegen die Ukraine, der bald ins fünfte Jahr geht, mehren sich die Alarmzeichen für Moskau. Der russische Vormarsch im Osten geht weiter, ist aber verlustreich und bleibt hinter den gesteckten Zielen zurück. Die Mobilisierung von Soldaten wird schwieriger, die Staatskasse leert sich. Putin lässt die ukrainischen Städte ins frostige Dunkel bomben, doch der Widerstand der Ukrainer und Ukrainerinnen erlahmt nicht.

Und Trump, auf den Putin als Partner gesetzt hat, lässt Tanker dubioser Herkunft auf den Meeren beschlagnahmen. Für den Herrn im Weißen Haus hängt das mit Venezuela zusammen, aber es geht um dieselbe Schattenflotte, die auch Russlands Öl verschifft, um den Ukraine-Krieg zu finanzieren. Einige Tanker haben sich unter die russische Flagge geflüchtet, doch das bringt keinen Schutz: Die US-Marinesoldaten seilen sich trotzdem auf ihr Deck ab.

Außerdem haben die USA, Kiew und die europäischen Staaten in vielen Verhandlungsrunden seit November eine Vorstellung entwickelt, wie eine Nachkriegsordnung für die Ukraine aussehen könnte. «Russland sieht sich isoliert und unsicher: Die Vorschläge widersprechen fundamental seinen Kriegszielen, doch Moskau zögert, Donald Trump zu verprellen», schrieb die Expertin Tatiana Stanovaya von der Denkfabrik Carnegie.

Glücksfall Grönland: Europa und die USA streiten 

Trotzdem ist es wiederum Trump, der Putin gerade ein Stück aus der Patsche hilft. Sein ultimativ vorgetragener Anspruch auf Grönland - autonom, aber zu Dänemark gehörend - schreckt die Europäer auf. Statt um Sicherheitsgarantien für Kiew geht es auf einmal um einen Konflikt in der Nato; statt um Tausende britische oder französische Soldaten in der Ukraine geht es um kleine Vorauskommandos auf der größten Insel der Welt.

«Manche Russen hoffen, dass die US-Ansprüche die transatlantischen Beziehungen weiter spalten», schrieb die Russland-Expertin Hanna Notte auf X. Moskau sehe den Grönland-Konflikt mit Schadenfreude und ahne eine günstige Gelegenheit in Sachen Ukraine. Die anderen Akteure seien abgelenkt. Der Außenpolitiker Grigori Karassin vom Föderationsrat in Moskau hoffte, dass «die paranoide politisch-militärische Unterstützung der "Koalition der Willigen" für Wolodymyr Selenskyj in den Hintergrund rückt». 

Doch Trumps Drängen bringt auch Gefahren für Russland. Egal, ob europäische oder amerikanische Soldaten - die Nato wird auf Grönland präsenter. Dabei will auch Moskau die zunehmend eisfreie Polarregion wirtschaftlich und militärisch nutzen. «Alle Versuche, die Interessen Russlands in der Polarregion zu ignorieren, vor allem im Bereich der Sicherheit, werden nicht ohne Antwort bleiben», warnte die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa.

Konflikte / Krieg / Diplomatie / Russland / Ukraine / Iran / Venezuela
17.01.2026 · 08:38 Uhr
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