Dollar unter Druck – Märkte spekulieren auf frühzeitige Zinswende nach Trumps Vorstoß zur Fed-Neubesetzung
Der Dollar geriet am Donnerstag deutlich unter Druck, nachdem Berichte über eine mögliche frühzeitige Nominierung eines neuen Fed-Vorsitzenden durch Präsident Trump die Runde machten. Der Bloomberg Dollar Spot Index fiel um 0,2 % auf den niedrigsten Stand seit über drei Jahren. Gleichzeitig sanken die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen um zwei Basispunkte auf 4,27 %.
Auslöser der Kursbewegungen war ein Wall Street Journal-Bericht, dem zufolge Trump plant, Fed-Chef Jerome Powell bereits im Sommer oder Herbst durch einen Nachfolger zu ersetzen – rund elf Monate vor Ablauf von Powells Amtszeit. Damit würde erstmals faktisch ein „Shadow Chair“ entstehen, der bereits im Vorfeld Einfluss auf die Erwartungen der Märkte zur künftigen Geldpolitik nehmen könnte.
An den Devisenmärkten wurde der Schritt als Signal für eine künftig lockerere Zinspolitik gewertet. Der Yen legte gegenüber dem Dollar um 0,4 % zu, der Taiwan-Dollar sowie der Offshore-Yuan stiegen ebenfalls deutlich. Auch der Euro markierte mit einem Plus von 0,2 % ein Mehrjahreshoch.
„Trumps Zinspolitik ist klar expansiv – und wer auch immer nominiert wird, wird diesem Kurs folgen“, sagte Mahjabeen Zaman von ANZ. Die Aussicht auf eine taubenhafte Fed-Führung verstärkt den Druck auf die US-Währung.
Die Spekulationen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich mehrere Fed-Gouverneure, darunter Christopher Waller und Michelle Bowman, grundsätzlich offen für Zinssenkungen ab Juli zeigen – vorausgesetzt, die Inflation bleibt unter Kontrolle. Fed-Chef Powell hingegen betonte vor dem US-Senat erneut, dass die Inflationseffekte von Zöllen schwer prognostizierbar seien und man „vorsichtig“ vorgehen müsse.
In den Emerging Markets profitierten insbesondere asiatische Währungen vom Dollar-Rückgang. Ein Währungskorb notierte so stark wie seit acht Monaten nicht mehr. Auch Aktienmärkte legten zu: Der Nikkei 225 stieg um 1,5 %, während US-Techwerte von einem neuen Allzeithoch bei Nvidia profitierten.
Öl verteuerte sich den zweiten Tag in Folge, Gold blieb stabil. Die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten sowie ein möglicher Produktionsschwenk Russlands sorgten hier für Unterstützung.
Die Diskussion um Trumps Einfluss auf die Geldpolitik erinnert manche Marktbeobachter an die 1970er-Jahre, als Präsident Nixon seinen Fed-Vorsitzenden zur Zinssenkung vor der Wahl drängte – mit langfristig verheerenden Folgen. Ob sich Geschichte wiederholt, hängt nun auch davon ab, wen Trump als Nachfolger nominiert – und ob dieser tatsächlich bereit ist, gegen Inflationsrisiken weichere Töne anzuschlagen.

