Döner-Diversity weiterhin gesichert: Einigung im europapolitischen Streit
Die beispiellose Kontroverse um die EU-weite Regulierung von Dönerfleisch hat nach dreijährigem Ringen ein Ende gefunden. Der Internationale Dönerverband (Udofed) hat seinen umstrittenen Antrag auf Aufnahme von Döner in die EU-Liste der "garantiert traditionellen Spezialitäten" zurückgezogen, wie eine Sprecherin der Europäischen Kommission verlauten ließ. Wäre dem türkischen Anliegen stattgegeben worden, hätten die bekannten Dönerspieße fortan nach strikten Standards innerhalb der gesamten EU produziert werden müssen. Diese Pläne stießen auf entschiedenen Widerstand aus Deutschland, wo sowohl Regierung als auch Produzenten der Fleisch- und Gastronomiebranche ihre Stimme gegen eine Harmonisierung erhoben haben. Die Erleichterung in deutschen Reihen ist förmlich spürbar.
Eine Annahme des Antrags hätte das gelebte kulinarische Erbe, etwa die Verwendung von Kalbs-, Rind- und Putenfleisch, gefährdet. Die türkischen Pläne sahen hingegen vor, dass Döner aus spezifischem Rind- oder Schaffleisch gefertigt werden müsse. Auch Details zur Marinade und Prozedur sollten bis ins kleinste Regelwerk standardisiert werden. Dies hätte tiefgreifende Auswirkungen auf die Vielfalt gehabt, beklagen Branchenvertreter wie der Verband der Dönerproduzenten Deutschlands (VDD), der den Fortbestand der hiesigen Döner-Tradition feiert.
Der Grund für den Rückzieher des Internationalen Dönerverbands bleibt indes im Dunkeln. Doch es wird gemunkelt, dass man einem drohenden Misserfolg vorbeugen wollte, zeichnete sich doch in EU-Kreisen kaum Unterstützung ab. Prominente Kritiker waren unter anderem Markus Söder und Cem Özdemir. Zu den Bedenkenträgern zählten ferner das Bundeslandwirtschaftsministerium und weitere Verbände, die vor weitreichenden Konsequenzen warnten. So wären neue Bezeichnungen für bekannte Gerichte nötig gewesen, während der Gemüsedöner vom Aus bedroht schien.
Obwohl kein Konsens über die Beweggründe hinter dem Antrag von 2022 erzielt werden konnte, zeigt er doch, welche wirtschaftliche Bedeutung hinter der Dönerindustrie steckt. Dieser wird ein Umsatz von 2,4 Milliarden Euro in Deutschland und 3,5 Milliarden Euro europaweit zugerechnet. Trotz ungeklärter Motivationen ist sicher: Die kulturelle Symbolkraft des Döners in Deutschland bleibt gewahrt.

