Diplomatisches Tauziehen: Deutschland und Russland im Streit um Pressefreiheit
Der diplomatische Schlagabtausch zwischen Deutschland und Russland verschärft sich. Alexander Graf Lambsdorff, der deutsche Botschafter in Moskau, wurde vom russischen Außenministerium einbestellt. Hintergrund sind Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit Korrespondenten russischer Staatsmedien in Deutschland. Wie ein Sprecher des Ministeriums der russischen Nachrichtenagentur Tass mitteilte, wurde Lambsdorff über Vergeltungsmaßnahmen gegen Deutschland informiert, als Reaktion auf die angeblich unfaire Behandlung russischer Journalisten.
Nach Berichten russischer Medien soll ein Mitarbeiter einer russischen Medienholding Deutschland verlassen müssen, da ihm die Berliner Einwanderungsbehörde die Aufenthaltspapiere nicht verlängerte. Auch seine Familie sieht sich temporär mit der Abgabe ihrer Pässe konfrontiert. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, äußerte am Donnerstag scharfe Kritik an Deutschland. Ihr zufolge werde russischen Journalisten systematisch der Aufenthalt verwehrt, was angeblich pressefeindlich sei.
Sacharowa hatte bereits beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg Sanktionen gegen deutsche Journalisten angedeutet und erläutert, derzeit würden in Moskau gezielt deutsche Journalisten ins Visier genommen. Bereits im November 2024 war ein ähnlicher Konflikt entbrannt, bei dem Russland zwei Mitarbeiter der ARD auswies. Damals hatte der Fall um zwei weitere russische Staatsjournalisten in Berlin für große Aufregung gesorgt, da auch deren Aufenthalt nicht verlängert wurde.
Mit der offiziellen Einbestellung des Botschafters zeigt sich der Unmut des Gastlandes auf höchster diplomatischer Ebene. Sacharowa wirft den deutschen Behörden vor, in ihrem Kampf gegen russische Journalisten alle Grenzen des Anstands zu überschreiten und ihren internationalen Verpflichtungen nicht nachzukommen. Sie sieht ein eskalierendes Klima der Hetze und Propaganda, das sich nicht nur gegen die Journalisten selbst, sondern auch gegen deren Familien richtet.

