Digitalisierung: Europäische Alternativen gewinnen an Gewicht
Die Frage der digitalen Souveränität rückt zunehmend in den Fokus. Inmitten globaler Abhängigkeiten von Tech-Giganten wie Google, Paypal, Amazon und Meta machen sich immer mehr Konsumenten Gedanken über Datenschutz und die Dominanz dieser Unternehmen. Trotz des verbreiteten Nutzens digitaler Produkte von Marktführern reflektieren viele Nutzer kritisch über ihre Wahl zwischen Bequemlichkeit und Sicherheit.
Florian Glatzner von der Verbraucherzentrale Bundesverband beobachtet, dass trotz eines wachsenden Bewusstseins, insbesondere im Unternehmens- und Behördenbereich, Verbraucher oft noch in ihren Gewohnheiten verharren. Auch die bevorstehenden Änderungen bei Microsoft finden hier Erwähnung: Der bevorstehende Auslauf des kostenlosen Windows 10 Supports lässt Nutzer über Sicherheitsrisiken und die hohen Anforderungen von Windows 11 nachdenken, was nicht nur Unkosten, sondern auch Elektroschrott verursacht.
Auf dem Markt der Online-Zahlungssysteme könnte in Europa eine Antwort auf diese Herausforderungen entstehen: Europäische Spieler wie die Neobank Revolut und der Zahlungsdienstleister Wero der European Payments Initiative (EPI) rücken mit dem Label „Made in Europe“ ins Rampenlicht. Insbesondere Wero, das direkte Zahlungen via Handynummer oder E-Mail erlaubt, wird als vielversprechende Alternative zum US-amerikanischen Bezahldienst Paypal angesehen.
Die Bedenken über Abhängigkeiten erstrecken sich auch auf den Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), wo US-amerikanische und chinesische Anbieter dominieren. Während das Bewusstsein wächst, sind europaweit Lösungen wie das französische KI-Start-up Mistral AI oder das auf den B2B-Bereich fokussierte Aleph Alpha aus Deutschland noch vergleichsweise unbekannt.
In politischer Hinsicht stehen Datenschutz und die Reduzierung digitaler Abhängigkeiten ebenfalls auf der Tagesordnung. Ein gemeinsamer Gipfel von Frankreich, Deutschland und der EU-Kommission wird am 18. November in Berlin erwartet, um Strategien für digitale Souveränität zu diskutieren, ein Vorhaben, das laut Bundeskanzler Friedrich Merz die Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaften stärken soll.

