Die stille Krise: Millionen Deutsche im Schatten der Armut
Etwa 17,6 Millionen Bundesbürger lebten im letzten Jahr an der Schwelle zur Armut oder waren von sozialer Ausgrenzung bedroht, berichtet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Etwa 21,2 Prozent der Bevölkerung sind betroffen – ein leicht gestiegener Wert im Vergleich zum Vorjahr, wo er 21,1 Prozent betrug. Diese Zahlen entstammen dem Mikrozensus, bei dem umfassende Daten zur aktuellen sozialen Lage durch Befragungen von über 80.000 Menschen erhoben wurden. Betrachtet man die Einkommen konkreter, so fällt auf, dass 13,3 Millionen Menschen – das sind 16,1 Prozent – ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze hatten, was einen Anstieg im Vergleich zu 15,5 Prozent im Vorjahr darstellt.
Die Europäische Union definiert Armut anhand des Einkommensniveaus: Liegt es unter 60 Prozent des mittleren nationalen Einkommens, gilt eine Person als armutsgefährdet. Im Jahr 2025 lag diese Grenze bei alleinstehenden Personen netto bei 1.446 Euro monatlich. Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern waren ab einem Einkommen von 3.036 Euro armutsgefährdet. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Gruppen der Alleinlebenden und Alleinerziehenden, bei denen die Armutsgefährdungsquoten weit über dem Durchschnitt liegen: 30,9 Prozent der Alleinlebenden und 28,7 Prozent der Alleinerziehenden sind betroffen.
Arbeitslose sind mit einer erschreckenden Quote von 64,9 Prozent am stärksten gefährdet. Auch Nichterwerbstätige und Menschen im Ruhestand sind mit Quoten von 33,8 Prozent bzw. 19,1 Prozent überdurchschnittlich betroffen. Im größeren Kontext betrachtet die EU auch andere Facetten der Armut: Neben dem geringen Einkommen gehören erhebliche materielle und soziale Entbehrungen sowie geringe Erwerbsbeteiligung zu den Kriterien, die soziale Ausgrenzung bestimmen. Diese multidimensionale Betrachtungsweise gibt der Diskussion um Armut eine breitere Basis und zeigt die Vielschichtigkeit der Problematik in Deutschland.

