Investmentweek

Die große Baumarkt-Krise

16. Mai 2025, 09:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Ein ganzer Sektor steht vor der Zäsur: Umsätze fallen, Kosten steigen – und erste Ketten schließen reihenweise Filialen. Insider sprechen von einer Marktbereinigung, die noch nicht mal begonnen hat.

Was zur Pandemie-Zeit wie ein Wachstumswunder wirkte, entpuppt sich jetzt als Illusion. Die Baumarktbranche steht mit dem Rücken zur Wand – das zeigen nicht nur die rückläufigen Umsätze, sondern vor allem die radikalen Reaktionen der Unternehmen.

Der Fall Hellweg ist dabei exemplarisch: Die Kette schließt Filialen im Akkord, der Eigentümer verhandelt mit Banken über eine Not-Refinanzierung. Intern wird das als „Befreiungsschlag“ verkauft – doch in Wahrheit beginnt gerade erst das große Zittern.

Corona war das Strohfeuer – jetzt folgt der Kater

Während der Lockdowns erlebten Baumärkte in Deutschland ein kurzfristiges Umsatzhoch. Der Hobby-Heimwerker wurde plötzlich zur Zielgruppe Nummer eins, neue Gartenhäuser und Heimwerkertrends befeuerten die Kassen. Doch die Zahlen von heute erzählen eine andere Geschichte: Die Branche ist in der Rezession.

Laut Handelsverband lag der Branchenumsatz 2023 nur noch bei 20,9 Milliarden Euro – das sind über eine Milliarde weniger als fünf Jahre zuvor. Und 2024 läuft ebenfalls schwach an. Das Problem: Die Fixkosten bleiben hoch, gleichzeitig fallen Margen und Frequenz.

Hellweg schließt weitere Filialen und beendet die Einkaufskooperation mit Rewe – ein deutliches Zeichen für den beginnenden Rückzug aus unrentablen Märkten.

Die nächste Schließungswelle läuft bereits

Hellweg, mit über 130 Märkten eine der bekannteren Namen in der Branche, streicht laut Handelsblatt weitere sieben Filialen. Bereits im Frühjahr wurden Standorte in Hanau und Münster aufgegeben.

Gleichzeitig wurde die Einkaufskooperation mit Rewe beendet – ein klares Signal, dass sich Hellweg von bisherigen Strategien verabschiedet. Gespräche mit der Hagebau-Gruppe über eine neue Partnerschaft scheiterten.

„Kleine Anbieter mit unter 100 Märkten werden es schwer haben“, sagt BBE-Handelsexperte Philipp Hoog.

Und meint damit nicht nur Hellweg oder Globus, sondern auch mittelgroße Marktketten ohne Franchise-Rückhalt oder Kapitalstärke.

Wer kommt durch – und wer nicht?

Am Markt zeichnet sich eine neue Reihenfolge ab. Vor allem Obi zeigt sich aggressiv. Der Konzern wächst nicht nur gegen den Branchentrend, sondern reißt jetzt auch noch Franchisepartner anderer Systeme an sich.

Fünf ehemalige Hagebau-Partner mit zusammen 18 Märkten wechseln aktuell zu Obi – das entspricht einem Umsatzvolumen von rund 200 Millionen Euro.

„Damit holen wir uns die Marktführerschaft zurück“, sagt ein Obi-Manager selbstbewusst.

Lange hatte Bauhaus vorn gelegen – allerdings weniger wegen Expansion, sondern durch eine massive Steigerung der Flächenproduktivität. Bauhaus setzt über 2300 Euro pro Quadratmeter um, Hornbach sogar fast 3000. Obi dagegen nur rund 1500.

Das will CEO Sebastian Gundel jetzt drehen. Mit neuer Sortimentspolitik, effizienteren Prozessen – und Franchisepartnern, die „wirtschaftlich unterstützt“ werden, wenn sie zu Obi wechseln.

Die Verlierer: Hagebau, Toom, kleine Anbieter

Hagebau wirkt angeschlagen. Allein in diesem Jahr wurden über 70 Stellen in der Zentrale gestrichen, zehn Millionen Euro Einsparungen sollen das System absichern.

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Doch der Verlust wichtiger Partnermärkte trifft ins Mark – denn das bedeutet nicht nur weniger Märkte, sondern auch deutlich geringeres Einkaufsvolumen. Und das wiederum verschlechtert die Verhandlungsposition gegenüber Lieferanten.

Auch Toom steht unter Druck. Die Rewe-Tochter will wachsen – muss es sogar, weil sie kein Auslandsgeschäft hat.

Der Versuch, Hellweg komplett zu übernehmen, scheiterte an den Preisvorstellungen der Inhaber. Jetzt wirbt Toom aktiv bei anderen Systemen um Franchisepartner. Erste Gespräche laufen, der Ton ist offensiver geworden.

Die Flächen werden zur Last

Ein grundlegendes Problem der Branche ist der gigantische Flächenüberhang. Viele Märkte wurden in den letzten Jahren auf 20.000 bis 30.000 Quadratmeter hochgezogen – das sei heute ein Wettbewerbsnachteil, sagt Hoog.

Die Kundenfrequenz reicht nicht mehr, um die Fläche zu refinanzieren. Gleichzeitig binden große Warenlager Kapital – in einer Zeit, in der Liquidität über Existenz oder Ausverkauf entscheidet.

Hinzu kommt ein strukturelles Konsumproblem: Junge Zielgruppen kaufen weniger stationär, viele Baumärkte sind aus der Zeit gefallen. „Zur Inspiration gehen junge Menschen nicht mehr in den Baumarkt“, räumt auch Obi-Chef Gundel ein. Das ist keine neue Erkenntnis – aber eine, die endlich ernst genommen wird.

Was hinter den Kulissen läuft

Insider berichten, dass der Franchisemarkt sich in den nächsten 18 bis 24 Monaten drastisch verändern wird. Einige Systeme wie Obi bieten konkrete Wechselboni, übernehmen Umbaukosten und helfen beim Abverkauf alter Lagerbestände. In einem Fall soll die finanzielle Unterstützung laut Branchengerüchten im mittleren sechsstelligen Bereich gelegen haben.

Der Grund ist simpel: Wer jetzt Partner gewinnt, sichert sich Umsatz und Fläche – und verdrängt damit den Wettbewerb. Denn eines ist klar: Die nächste Welle von Schließungen wird nicht die letzte sein.

Die neue Realität: Weniger ist mehr

Die große Baumarktbereinigung hat begonnen. Nur wenige Unternehmen haben die Strategie, das Kapital und die Partner, um am Ende als Gewinner dazustehen. Wer überlebt, entscheidet sich nicht an der Zahl der Märkte – sondern an Flächenproduktivität, Markenbindung und Innovationskraft.

Die Phase der Expansion ist vorbei. Jetzt zählt Effizienz. Wer das nicht liefert, wird aus dem System gespült. Die nächsten Monate werden zeigen, wer wirklich Substanz hat – und wer bloß Fläche.

Finanzen / Märkte
[InvestmentWeek] · 16.05.2025 · 09:00 Uhr
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