Investmentweek

Deutschland ist beim Selfmade-Reichtum weltweit das Schlusslicht

11. Juli 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Deutschland hat weltweit den niedrigsten Anteil an Selfmade-Milliardären. Der Großteil des Reichtums stammt aus Erbschaften, nicht aus unternehmerischem Erfolg.

Ein Vermögen erben statt schaffen

In einem globalen Vergleich, der aufhorchen lässt, belegt Deutschland den letzten Platz. Laut einer aktuellen Analyse der Digitalagentur Datapulse auf Basis von Forbes-Zahlen stammen nur 25 Prozent der deutschen Milliardärsvermögen aus eigener unternehmerischer Leistung.

In China sind es 97 Prozent, im Vereinigten Königreich 89 Prozent. Selbst Staaten mit weniger ausgeprägter Gründerkultur wie Italien, Belgien oder Spanien schneiden besser ab.

Das ist kein Zahlenspiel, sondern Ausdruck eines tieferliegenden strukturellen Problems: Deutschland ist kein gutes Land für Aufsteiger.

Reichtum bleibt in der Familie

Von den derzeit 171 deutschen Milliardären haben 129 ihr Vermögen durch Erbschaft erhalten. Nur 42 gelten als sogenannte „Selfmade“-Milliardäre. Während sich in den USA oder China Unternehmerbiografien um Software, Tech, Logistik oder Digitalisierung ranken, entstammen Deutschlands reichste Familien oft alten Handels-, Industrie- oder Immobilienimperien – viele davon seit Generationen etabliert, bestens abgesichert durch Stiftungsstrukturen und optimierte Nachfolgeregelungen.

Deutschlands Top 10 Selfmade-Milliardäre
(Stand: Mai 2025, Quelle: Forbes / Datapulse)

Rang in DENameNettovermögen (Mrd. USD)Globales RankingAlterUnternehmen
3Reinhold Würth & Familie33,65390Würth Group
6Andreas von Bechtolsheim & Familie19,210669Arista Networks
10Hasso Plattner & Familie16,014681SAP SE
14Andreas Struengmann & Familie10,924275Santo Holding
15Thomas Struengmann & Familie10,924275Athos Service
22Georg Nemetschek & Familie7,642691Nemetschek Group
26Wolfgang Marguerre & Familie6,554583Octapharma Group
27Erich Wesjohann & Familie6,355579EW Group GmbH
46Klaus-Peter Schulenberg5,665373CTS Eventim AG & Co. KGaA
47Dietmar Hopp & Familie5,566785SAP SE

Die viel zitierte „soziale Marktwirtschaft“ wird so zur statischen Vermögenslandschaft. Es dominieren Besitzstand und Traditionskapital – nicht Innovation und Unternehmerrisiko.

Weltweite Entwicklungen – Deutschland fällt zurück

Die globale Realität sieht anders aus. Besonders in Transformationsländern wie Russland oder China ist der Anteil an Selfmade-Milliardären hoch – oft getrieben durch Privatisierung, Marktderegulierung und Technologieboom.

Die Zahl der Milliardäre in Deutschland hat sich seit 2007 vervierfacht – doch die Vermögen stammen meist nicht aus Innovation, sondern aus Weitervererbung.

In China etwa entstand seit den 1980er Jahren eine Unternehmerkultur, die Vermögen mit Software, Plattformen oder Fertigung aufgebaut hat. Diese Dynamik, so umstritten sie im Einzelfall sein mag, hat Strukturen geschaffen, die auch nach innen mobilisierend wirken.

In den USA wiederum begünstigen ein dynamischer Kapitalmarkt, ein belastbares Start-up-Ökosystem und der Zugang zu Risikokapital den Aufstieg neuer Vermögensträger. Unternehmen wie Amazon, Tesla, Nvidia oder Meta haben nicht nur Märkte verändert, sondern neue Milliardäre hervorgebracht – oft binnen weniger Jahre.

In Deutschland dagegen: Bürokratie, Erbschaft, Kapitalverknappung

Warum funktioniert das in Deutschland nicht? Die Gründe sind vielschichtig: Eine restriktive Steuer- und Förderpolitik, komplexe Genehmigungsverfahren, ein überlasteter Mittelstand und eine zurückhaltende Risikokultur bei Kapitalgebern bremsen das unternehmerische Momentum.

Wer ein innovatives Unternehmen gründet, muss sich nicht nur gegen Wettbewerb durchsetzen, sondern auch gegen Verwaltungslogiken, Bankenbürokratien und einen Mangel an Großinvestoren. Wer dagegen erbt, erhält häufig Zugang zu ausgereiften Strukturen, bestehendem Netzwerk – und steuerlichen Vorteilen, die der Mittelstand nie erreichen kann.

Ausnahmen bestätigen die Regel – und zeigen die Möglichkeiten

Natürlich gibt es sie, die Selfmade-Milliardäre in Deutschland. Reinhold Würth, der einen väterlichen Schraubenhandel zur globalen Unternehmensgruppe ausbaute. Andreas von Bechtolsheim, Tech-Pionier und Mitgründer von Sun Microsystems, der früh in Google investierte. Hasso Plattner, SAP-Mitgründer, der mit Software statt Stahl Milliarden machte. Doch sie sind die Ausnahme – nicht die Regel.

Und oft stehen auch hinter diesen Biografien günstige Startbedingungen: familiäre Vorbesitze, solide Grundfinanzierung oder technologische Hochschulnähe.

Die Dynamik der Vermögensvermehrung ist nicht dieselbe

Bemerkenswert: Obwohl sich die Zahl der Milliardäre in Deutschland seit 2007 mehr als vervierfacht hat (von 42 auf 171), ist dieser Zuwachs kaum auf neu geschaffene Vermögen zurückzuführen. Der Anstieg resultiert überwiegend aus Kapitalmarktrenditen, Immobilienbewertungen und generationaler Weitergabe – nicht aus neuen Unternehmensgründungen oder bahnbrechenden Innovationen.

Was das über ein Land erzählt

Dass Reichtum in Deutschland so häufig vererbt statt erarbeitet wird, ist nicht nur eine statistische Kuriosität. Es ist ein Hinweis auf eine Wirtschaft, die sich schwer tut, junge Ideen groß zu machen. Auf ein Bildungssystem, das selten ökonomische Selbstverwirklichung hervorbringt. Und auf ein Umfeld, das mehr bewahrt als bewegt.

Es ist auch ein Warnsignal: Wenn ein Land keine neuen Aufsteiger mehr hervorbringt, verliert es nicht nur wirtschaftliche Dynamik – es gefährdet auf Dauer seine gesellschaftliche Balance. Denn wenn Vermögen sich abschottet und Aufstiegschancen sinken, droht eine soziale Erosion, die weit über wirtschaftliche Debatten hinausreicht.

Finanzen / Reichtum / Selfmade-Milliardäre / Erbschaft / Unternehmertum
[InvestmentWeek] · 11.07.2025 · 14:00 Uhr
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