Deutscher Biermarkt in der Krise: Herausforderungen und Chancen
Der deutsche Biermarkt erlebte im vergangenen Jahr den stärksten Rückgang seit der Wiedervereinigung. Mit einem Absatz von 7,8 Milliarden Litern sank der Verbrauch um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr und blieb deutlich hinter den Corona-Jahren 2020 und 2021 zurück. Volker Kuhl, Geschäftsführer der Brauerei Veltins, beschreibt die Lage als schwierigen Wendepunkt für die Branche, der bereits zu vermehrten Schließungen und Übernahmen geführt hat. Bereits 2025 bemerkte man eine Beschleunigung dieses Trends. Besonders im Süden Deutschlands mussten zahlreiche kleinere und mittlere Brauereien schließen. Auch große Namen wie Oettinger verabschiedeten sich von etablierten Standorten, während andere wie Eichbaum in Mannheim ums Überleben kämpfen. Das Klosterbier aus Weltenburg wird ab nächstem Jahr aus der benachbarten Brauerei Schneider stammen.
Angesichts der Verluste im Absatzbereich fehlen den Brauereien oft die Mittel für notwendige Investitionen. Laut Veltins-Manager Kuhl sind die finanziellen Engpässe belastender als je zuvor. Die demografische Entwicklung sowie ein wachsender Fokus auf einen gesünderen Lebensstil führen seit Jahrzehnten zu einem kontinuierlichen Rückgang im Bierkonsum. Auch auf den Absatzmärkten herrscht Unsicherheit. Der Deutsche Brauerbund (DBB) beobachtet zurzeit eine spürbare Konsumzurückhaltung in Gastronomie und Handel, die sich nicht zuletzt durch die Auswirkungen der Pandemie weiter verschärft hat. Die große Marktmacht des Handels stellt eine zusätzliche Herausforderung dar.
Trotz allem gibt sich der Mittelstand optimistisch und setzt auf Regionalität. Die Darmstädter Privatbrauerei etwa erweitert ihr Sortiment, um den Kunden mehr Vielfalt zu bieten. Der Trend zu alkoholfreien Getränken, deren Marktanteil stetig wächst, könnte ebenfalls Chancen für die Branche eröffnen. Deutschland ist mittlerweile der größte europäische Abnehmer dieser Produkte. 86 Prozent des Bieres wurden 2022 im Inland konsumiert, wobei auch hier ein Rückgang um 5,8 Prozent zu verzeichnen war. Der Export schrumpfte um etwa 7,0 Prozent. Der Deutsche Brauerbund sieht die Lösung der Herausforderungen in engerer Zusammenarbeit der Branche und in einer stabileren Energiepolitik, um die Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu sichern.

