Deutsche Wirtschaft: Zwischen Hoffnung und Herausforderungen
Die deutschen Wirtschaftshoffnungen wurden zunächst auf das zweite Halbjahr vertagt, nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Frühjahr um 0,3 Prozent geschrumpft ist, deutlicher als die zuvor prognostizierten 0,1 Prozent. Besonders die Industrieproduktion erlitt Rückschläge. Laut KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher hinterließ der Handelskrieg mit den USA tiefere Spuren im deutschen Exportsektor als erwartet, und der private Konsum konnte den Erwartungen des Statistischen Bundesamts im zweiten Quartal nicht gerecht werden. Auch positive Impulse aus dem Außenhandel blieben weitgehend aus.
Gleichwohl gibt es Hoffnungsschimmer: Das Investitionsklima verbessert sich durch niedrigere Zinsen und geplante massive Ausgaben des Bundes in Infrastrukturprojekte, die auf ein Ende der wirtschaftlichen Stagnation hindeuten könnten. "Indikatoren wie Unternehmensumfragen, Bauanträge und Auftragseingänge deuten auf ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr hin", prognostiziert Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).
Eine verbesserte Haushaltslage ist ein weiteres positives Signal. Trotz eines Staatsdefizits von 28,9 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025, zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 19,4 Milliarden. Höhere Sozialabgaben und gesteigerte Steuereinnahmen reduzieren die Belastung der öffentlichen Kassen. Das Defizit im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung lag bei 1,3 Prozent, der beste Halbjahreswert seit 2022.
Die Bundesbank ist allerdings vorsichtig optimistisch und erwartet für das dritte Quartal Stagnation, während für das Gesamtjahr ein geringes Wachstum von 0,3 Prozent als erreichbar gilt. Der von der Bundesregierung geplante "Wachstumsbooster" bleibt angesichts ausbleibender Reformen hinter den Erwartungen zurück.
Die erratische Zollpolitik der USA unter Präsident Donald Trump belastet die Exportnation Deutschland weiterhin. Neu eingeführte Zölle von 15 Prozent auf EU-Importe und potenziell steigende Automobilzölle gefährden die wirtschaftliche Stabilität.

