Deutsche Exporteure zittern vor Zollpolitik der USA
Die anhaltende Unsicherheit rund um Zölle, verstärkt durch wiederholte Drohungen von Donald Trump, wird zunehmend zu einer schwerwiegenden Belastung für die deutschen Exporteure. Laut jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes sanken die deutschen Ausfuhren in die USA im Mai auf den tiefsten Stand der letzten drei Jahre. Konkret schrumpften die Exporte im Vergleich zum Vormonat um 7,7 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro, was den zweiten aufeinanderfolgenden Rückgang der deutschen Gesamtexporte bedeutet.
Dirk Jandura, Präsident des Exportverbandes BGA, warnt eindringlich vor einer weiteren Verschärfung der Lage im Außenhandel. Die Auswirkungen der Zollpolitik unter der Trump-Administration werden immer offensichtlicher.
Donald Trump verschob die Deadline für neue Zölle abermals, nämlich vom 9. Juli auf den 1. August. Er kündigte zudem hohe Zölle für asiatische Staaten wie Japan, Südkorea und Malaysia an. Das Thema Zölle bleibt damit ein Schwelbrand, denn selbst der 1. August scheint alles andere als ein festes Datum zu sein.
Auch wenn die Europäische Union vorerst keinen neuen Zollbrief aus Washington erhielt, sieht Carsten Brzeski, Chefökonom von ING, das Damoklesschwert weiterer Zölle über den EU-Exporteuren schweben. Die positiven Effekte der vorgezogenen Exporte in die USA im ersten Quartal scheinen sich ins Gegenteil zu verkehren.
Seit Trumps Ankündigung eines globalen Zollpakets im April, das nach Börsenturbulenzen teilweise ausgesetzt wurde, besteht ein Basiszoll von 10 Prozent auf EU-Waren, wobei Trump höhere Zölle androhte, sollten Verhandlungen mit der EU scheitern. Vor allem Autos und Autoteile sind bereits mit 25 Prozent extrabelastet, Stahl- und Aluminiumimporte sogar mit 50 Prozent.
Noch gibt es keine Klarheit, was die erneute Fristverlängerung für die EU bedeutet. Die EU-Kommission betont die Fortsetzung der Verhandlungen, ohne garantierten Erfolg, die amerikanischen Zölle gänzlich abzuwenden. Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, telefonierte kürzlich mit Trump, ohne einen unmissverständlichen Durchbruch zu erzielen. Präsident Jandura vom BGA fordert ein baldig greifbares Abkommen, warnt jedoch davor, um jeden Preis zu verhandeln.
Nicht nur die USA geben Anlass zur Sorge, auch die Geschäfte in China schwächeln merklich. Die deutschen Exporte in die Volksrepublik sanken im Mai um 2,9 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro, während die Exporte nach Großbritannien hingegen um gut 15 Prozent zulegten.
Der Binnenhandel zeigt ebenfalls Schwächen, da die deutschen Importe im Mai um 3,8 Prozent zurückgingen. Laut dem Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, Cyrus de la Rubia, signalisiert dies womöglich eine nachgebende Binnenkonjunktur.
Die deutsche Wirtschaft könnte vor einer erneuten Rezession stehen, nachdem das erste Quartal noch ein unerwartet starkes Wachstum von 0,4 Prozent verzeichnete. ING-Chefökonom Brzeski sieht die Exporteure erheblichen Herausforderungen gegenüber, nicht zuletzt wegen des starken Euro, der es schwerer macht, auf den Weltmärkten zu bestehen. Nach den Zahlen der ersten beiden Monate des zweiten Quartals sieht es nach einer Stagnation oder einem leichten Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung aus.

