Deutsche Elektro- und Digitalindustrie auf Wachstumskurs trotz geopolitischer Herausforderungen

Wachstumssignal aus der Elektro- und Digitalindustrie
Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie präsentiert sich nach mehreren Jahren der Rückgänge wieder auf einem klaren Wachstumskurs. Gunther Kegel, Präsident des Branchenverbands ZVEI, äußerte sich anlässlich der Hannover Messe optimistisch: "Die Talsohle ist erreicht, Wachstum stellt sich wieder ein." Die im Januar prognostizierten zwei Prozent Zuwachs bei der Produktion seien nach wie vor realistisch, betonte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Trotz der aktuellen geopolitischen Verwerfungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt und den steigenden Ölpreisen, bleibt die Branche optimistisch. Kegel ist überzeugt, dass die Unternehmen nach drei herausfordernden Jahren wieder zulegen können, sofern die aktuellen Krisen schnell überwunden werden. Dies zeigt, wie resilient die Industrie ist, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten.
Starke Marktposition dank Megatrends
Kegel räumte ein, dass die Unternehmen politischen Herausforderungen gegenüberstehen, doch bisher habe dies nicht zu einem signifikanten Rückgang der Geschäftstätigkeit geführt. "Die Branche zeigt sich einigermaßen immun, weil sie wichtige Megatrends bedient", so Kegel. Die stabilen Zahlen und die steigenden Auftragseingänge für 2025 und Anfang 2026 deuten darauf hin, dass die Unternehmen gut aufgestellt sind, um die Nachfrage zu bedienen.
Ein wesentlicher Treiber des Wachstums ist die Künstliche Intelligenz, die einen Boom bei Rechenzentren auslöst. Kegel, der auch CEO des Mannheimer Sensorherstellers Pepperl+Fuchs ist, erklärte: "Das sind gigantische Investitionen, die zu einem großen Teil der Elektro- und Digitalindustrie zugutekommen." Produkte deutscher Hersteller sind dabei unverzichtbar, sei es in der Schaltschränke, Kühlung oder Sensorik.
Beschäftigungsentwicklung stabil
Die Sorgen um einen erneuten Stellenabbau in der Branche scheinen unbegründet. Kegel erwartet für dieses Jahr keinen signifikanten Rückgang der Beschäftigtenzahlen. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Angestellten um 18.000 auf 872.000 gesunken, was einem moderaten Rückgang von zwei Prozent entspricht. "Die Unternehmen wollen die Belegschaften am Standort halten", versichert Kegel.
Obwohl die Branche im Jahr 2024 um neun Prozent geschrumpft war, zeigt sich für 2025 eine positive Entwicklung. Die Produktion sank zwar erneut, jedoch nur um 0,3 Prozent – ein deutlich besseres Ergebnis als die ursprünglich befürchteten zwei Prozent. Dennoch bleibt zu beachten, dass die Branche sich auf einem niedrigeren Niveau bewegt und die Lücke von 2024 noch nicht vollständig geschlossen ist.
Europa als Wachstumsmotor
Ein positiver Aspekt für die Branche ist das starke Europa-Geschäft. Kegel hebt hervor, dass die Exporte 2025 wertmäßig so hoch waren wie nie zuvor. Die Schwäche im Geschäft mit den USA und China konnte durch erhöhte Ausfuhren in den europäischen Binnenmarkt ausgeglichen werden. Dies zeigt, wie wichtig der europäische Markt für die Stabilität und das Wachstum der deutschen Elektro- und Digitalindustrie ist.
Im US-Markt profitiert die Branche von der begrenzten Konkurrenz. Kegel erklärt: "In vielen Bereichen - etwa der industriellen Sensorik - gibt es keine nennenswerten amerikanischen Hersteller mehr." Dies sichert den deutschen Unternehmen eine starke Marktstellung, trotz der zusätzlichen Zölle. Der Boom bei US-Rechenzentren verstärkt diese Nachfrage weiter: "Dort ist der Bedarf riesig - die bestellen, als gäbe es kein morgen."

