Investmentweek

Deutsche Bank greift im Wealth Management an

22. Dezember 2025, 18:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Deutsche Bank greift im Wealth Management an
Foto: InvestmentWeek
Mit neuem Organisationsmodell, mehr Beratern und klaren Zielen positioniert sich die Bank im Wettbewerb um Vermögen.
Die Deutsche Bank investiert 300 Millionen Euro in ihr Wealth Management, um Strukturen zu optimieren und Kundenbetreuung zu verbessern.

Der Umbau ist ehrgeizig, das Timing bewusst gewählt. Während viele Institute im Wealth Management vor allem verwalten, investiert die Deutsche Bank gezielt in Wachstum. Bis 2028 fließen 300 Millionen Euro in das Wealth Management, weitere 600 Millionen Euro in das Personal Banking. Es ist eine der größten Investitionsoffensiven im deutschen Privatkundengeschäft der vergangenen Jahre – und ein Signal, dass das Institut den Wettbewerb um vermögende Kunden nicht defensiv führen will.

Wachstum soll strukturell beschleunigt werden

Die Botschaft aus dem Management ist eindeutig: Der Markt wächst, aber das reicht nicht. Ziel ist es, schneller zu wachsen als die Konkurrenz. Entscheidend dafür ist weniger ein einzelnes Produkt als die Neuausrichtung der gesamten Organisation.

Seit dem Herbst 2024 wurden Private Banking und Wealth Management zusammengeführt, Hierarchieebenen reduziert und Entscheidungsprozesse verkürzt. Die Bank verabschiedet sich damit von einer historisch stark produkt- und infrastrukturgetriebenen Logik. Künftig soll die Kundensicht dominieren – nicht das interne Organigramm.

Personalaufbau statt Kostendisziplin

Anders als viele Wettbewerber setzt die Deutsche Bank im Wealth Management nicht primär auf Effizienzprogramme, sondern auf zusätzliche Berater. Gesucht werden erfahrene Kundenbetreuer, auch gezielt von regionalen Instituten. Sparkassen und Genossenschaftsbanken gelten intern als wichtigste Konkurrenten im Kampf um vermögende Privatkunden und Unternehmer.

Der Personalaufbau ist dabei kein Selbstzweck. Die Bank will Beratungskapazität schaffen, um komplexere Vermögen intensiver zu betreuen und neue Kundengruppen zu erschließen. Die Erwartung: Mehr Nähe zum Kunden führt zu höheren Mandatsvolumina und stabileren Erträgen.

IT wird vom Bremsklotz zum Hebel

Ein zentrales, oft unterschätztes Element ist die IT. Die Deutsche Bank will ihre fragmentierte Systemlandschaft radikal vereinfachen. Statt bislang 15 Kernbankensystemen sollen künftig jeweils ein System für das Wealth Management und eines für das Personal Banking ausreichen.

Das Ziel ist nicht nur Kostensenkung, sondern Geschwindigkeit. Einheitliche Plattformen sollen Produktzugang vereinfachen, Prozesse beschleunigen und Beratern mehr Zeit für Kunden geben. Gerade im Vermögensgeschäft entscheidet Reaktionsfähigkeit zunehmend über den Zuschlag.

Fünf Kundentypen statt Einheitsberatung

Die neue Organisation orientiert sich an fünf klar definierten Kundentypen. Sie reicht von vielbeschäftigten Berufstätigen, die digitale Videoberatung bevorzugen, bis zu Unternehmerfamilien mit hochkomplexen Vermögensstrukturen und Family-Office-Bedarf.

Produkte, die früher einzelnen Segmenten vorbehalten waren, stehen nun allen Kundengruppen offen. Die Bank will damit vermeiden, dass Kunden mit wachsendem Vermögen die Plattform wechseln müssen. Wachstum soll innerhalb der eigenen Struktur stattfinden.

Ambitionierte Ziele bis 2028

Die Zielmarken sind hoch gesteckt. Bis 2028 soll sich das Volumen der diskretionären Mandate weltweit verdoppeln. Gleichzeitig strebt die Bank jährlich ein Netto-Neugeldwachstum von sechs Prozent im Verhältnis zum verwalteten Vermögen an.

Diese Zahlen zeigen, worauf es hinausläuft: Weg von transaktionsgetriebenen Erträgen, hin zu planbaren, wiederkehrenden Einnahmen. Diskretionäre Mandate gelten als besonders stabil, aber auch als beratungsintensiv. Genau hier soll die Investitionsoffensive greifen.

Erben und Nachfolger rücken in den Fokus

Ein zentraler Wachstumstreiber liegt außerhalb der Kapitalmärkte. Jährlich werden in Deutschland mehr als 100 Milliarden Euro vererbt oder übertragen. Die Deutsche Bank positioniert sich gezielt als Begleiter dieses Vermögenstransfers.

Spezialisierte Einheiten für Nachfolgeplanung, Vermögensstrukturierung und Next-Gen-Programme sollen sicherstellen, dass Vermögen nicht nur verwaltet, sondern generationenübergreifend gebunden wird. Wer die nächste Generation erreicht, sichert sich die Beziehung für Jahrzehnte.

Digital, aber nicht anonym

Trotz aller Investitionen in digitale Angebote bleibt die persönliche Beratung das Herzstück der Strategie. An mehr als 300 Standorten in Deutschland steht jedem Wealth-Management-Kunden ein fester Ansprechpartner zur Verfügung. Digitale Vermögensverwaltung und Online-Tools sollen ergänzen, nicht ersetzen.

Die Bank setzt bewusst auf diesen Hybridansatz. Technik soll Prozesse vereinfachen und Transparenz schaffen, die Beziehung zwischen Kunde und Berater aber nicht verdrängen. Gerade bei großen Vermögen bleibt Vertrauen der entscheidende Faktor.

Der Wettbewerbsvorteil liegt in der Breite

Ein Pfund, mit dem die Deutsche Bank wuchert, ist ihre Konzernstruktur. Die enge Verzahnung mit Unternehmensbank, Investmentbank und Asset Management erlaubt eine ganzheitliche Beratung von Unternehmerfamilien – von der Vermögensanlage über Währungsabsicherung bis hin zum Unternehmensverkauf.

Genau darin liegt der strategische Kern der Offensive. Wealth Management soll nicht isoliert wachsen, sondern als Knotenpunkt innerhalb des Konzerns fungieren. Gelingt das, wäre der Anspruch, schneller zu wachsen als der Markt, mehr als ein Versprechen.

Am Ende entscheidet nicht die Investitionssumme, sondern die Umsetzung. Die Deutsche Bank hat die Mittel bereitgestellt. Jetzt muss sie beweisen, dass aus Strukturreformen, Berateraufbau und IT-Verschlankung tatsächlich ein schlagkräftiges Wealth Management entsteht.

Finanzen / Unternehmen / Wealth Management / Deutsche Bank / Investitionen / Wachstum / Privatkundengeschäft
[InvestmentWeek] · 22.12.2025 · 18:00 Uhr
[0 Kommentare]
Europäische Banken im Aufwind: Renaissance der Finanzinstitute nach Jahren der Konsolidierung
Ein neues Kapitel für Europas Bankensektor Nach Jahren der Stagnation und regulatorischen Herausforderungen erleben europäische Banken derzeit eine beeindruckende Wiederauferstehung. Die Kombination aus gestiegenen Zinssätzen, verbesserten Profitabilitätskennziffern und gezielten Konsolidierungsmaßnahmen hat den Sektor grundlegend transformiert. […] (00)
vor 29 Minuten
Graffiti-Entfernung (Archiv)
Berlin - Das deutsche Handwerk will künftig Praktika für Wehrdienstleistende anbieten. Wie die "Bild" berichtet, regt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) an, während des Wehrdienstes Angebote zur Berufsorientierung und Qualifizierung im Handwerk zu verankern. "Vorstellbar wären hier beispielsweise ein- bis mehrtägige Praktika", sagte ein […] (00)
vor 21 Minuten
Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern
(BANG) - Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern, da sie sich sonst angeblich Probleme mit ihrem Visum einhandeln könnte. Der kolumbianische Superstar bereitet sich darauf vor, an beiden Sonntagen beim Coachella-Festival in Indio, Kalifornien, als Headliner aufzutreten. Neben ihr gehören auch […] (00)
vor 13 Stunden
Die Apps Instagram, Facebook und WhatsApp auf einem Handy
Ellwangen/Berlin (dpa/tmn) - Nutzerinnen und Nutzer von Facebook und Instagram haben keinen rechtlichen Anspruch darauf, dass ihre personenbezogenen Daten ausschließlich innerhalb Europas gespeichert und verarbeitet werden. Das hat das Landgericht Ellwangen in einem Urteil entschieden (Az.: 3 O 480/24), auf das die Arbeitsgemeinschaft IT-Recht im […] (01)
vor 7 Stunden
Warum Benzin in Deutschland so teuer ist – und wie sich der Preis wirklich zusammensetzt
Wer aktuell an die Tankstelle fährt, kennt das Gefühl: Der Blick auf die Zapfsäule sorgt oft für Stirnrunzeln. Preise von rund zwei Euro pro Liter sind längst keine Seltenheit mehr. Viele fragen sich deshalb völlig zurecht: Warum ist Benzin eigentlich so teuer – und wer verdient daran wirklich? Die Antwort darauf ist deutlich komplexer, als es auf den […] (03)
vor 12 Stunden
«Saturday Night Live»: Prominente Hosts beenden 51. Staffel im Mai
Die Kultshow «Saturday Night Live» setzt zum Staffelfinale mit hochkarätigen Gästen an. Der US-Sender NBC hat die letzten drei Ausgaben der 51. Staffel von Saturday Night Live angekündigt. Im Mai übernehmen gleich mehrere prominente Namen die Moderation der traditionsreichen Sketch-Show – begleitet von bekannten Musik-Acts. Den Auftakt macht am 2. Mai Olivia Rodrigo, die sowohl als Host als […] (00)
vor 7 Stunden
FC Barcelona - Atlético Madrid
Barcelona (dpa) - Hansi Flick hat nach der Champions-League-Niederlage seines FC Barcelona mit Schiedsrichter Istvan Kovacs aus Rumänien und dessen Team gehadert. Beim enttäuschenden 0: 2 vor eigenem Publikum gegen Atlético Madrid stießen dem ehemaligen Bundestrainer vor allem zwei Szenen sauer auf: der Platzverweis von Verteidiger Pau Cubarsi (44. […] (00)
vor 2 Stunden
ClickRent-Datenleck: 2,5 Millionen Kunden des Autovermieters betroffen
Lahr, 08.04.2026 (lifePR) - Beim spanischen Autovermieter ClickRent ist es offenbar zu einem massiven Datenschutzvorfall gekommen, der für Millionen Kunden erhebliche Folgen haben kann. Nach Berichten spanischer Medien vom 31. März 2026 und 1. April 2026 sollen rund 2,5 Millionen Datensätze betroffen sein; abgeflossen sein sollen unter anderem Ausweisdokumente, […] (00)
vor 13 Stunden
 
Die regulatorische Landschaft verändert sich In den letzten Monaten hat eine […] (00)
Die digitale Landschaft und das Vertrauen der Investoren In der heutigen […] (00)
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, banknoten, berlin
Jamie Dimon, CEO von JPMorgan, hat in seinem jüngsten Jahresbrief an die Investoren […] (00)
Olaf Scholz (Archiv)
New York - Altbundeskanzler Olaf Scholz (SPD) soll für seine Verdienste um das […] (00)
Ella Seidel
Oeiras (dpa) - Die deutschen Tennis-Frauen haben beim Billie Jean King Cup einen […] (01)
Sabrina Carpenter verspricht 'ehrgeizigste Show' für Coachella-Festival
(BANG) - Sabrina Carpenter will beim Coachella-Festival die "ehrgeizigste Show" ihrer […] (00)
Robotaxi-Krieg: Travis Kalanicks vernichtendes Urteil bringt Tesla am Abgrund ins Straucheln
Der Ex-Uber-Boss prophezeit das Ende der Tesla-Dominanz Die Worte von Travis […] (00)
Andy Serkis wird seine Rolle als Alfred Pennyworth in 'The Batman: Part II' erneut übernehmen.
(BANG) - Andy Serkis wird seine Rolle als Alfred Pennyworth in 'The Batman: Part II' […] (00)
 
 
Suchbegriff