Der große Kahlschlag im Management: Was Unternehmen jetzt tun müssen
Die Führungsebenen in den Unternehmen dünnen sich in rasantem Tempo aus, ein Phänomen, das Experten als "The Great Flattening" bezeichnen. So betreuen Manager in den USA inzwischen dreimal so viele Mitarbeiter wie noch im Jahr 2015, berichtet das Forschungsunternehmen Gartner. Dieser Trend wird voraussichtlich anhalten, da große Unternehmen wie Google und Intel erhebliche Kürzungen bei ihren Managementpositionen vornehmen.
Unternehmen inserierten zum Jahresende 2024 sogar 42% weniger Positionen im mittleren Management im Vergleich zu 2022. Gartner schätzt, dass bis Ende 2026 20% der US-amerikanischen Unternehmen Künstliche Intelligenz nutzen werden, um organisatorische Strukturen zu „flatten“ und dadurch etwa 50% der Managementpositionen abzubauen. Diese Entwicklung birgt erhebliche Auswirkungen auf die Bürokratie sowie auf das einstige enge Vertrauensverhältnis zwischen Teamleitern und Mitarbeitern.
Der Druck auf Führungskräfte wächst. Jessica Weiss, Beraterin für Unternehmenskultur in New York, erklärt, dass die verbleibenden Manager zunehmend Probleme haben, ihren Aufgaben gerecht zu werden. Microsofts Entlassungen trafen alle Unternehmensebenen, jedoch vor allem das Management. Amazons CEO Andy Jassy strebt zudem eine Steigerung des Verhältnisses von Mitarbeitern zu Managern um mindestens 15% bis Anfang 2025 an. Mitarbeiterreduktionen von 3,5% der letzten drei Jahre stehen einem Rückgang der Managementpositionen um 6,1% gegenüber.
Diese Entwicklung wirkt sich nicht nur negativ auf das Management, sondern auch auf die Teammitglieder aus. Laut Weiss beeinflusst der eigene Vorgesetzte die mentale Gesundheit stärker als Arzt oder Therapeut und ebenso sehr wie der eigene Partner. Das Risiko ist, dass geschätzte Manager und Mitarbeiter das Unternehmen verlassen könnten, wenn das Management überlastet ist und die bedeutungsvollen Beziehungen leidet.
Die verbleibenden Manager stehen zudem vor einer zunehmenden Herausforderung: Sie müssen nicht nur Strategen und Kommunikatoren sein, sondern auch die Moral hochhalten — oft ohne ausreichende Ressourcen. Eine dünner werdende Managementstruktur bedroht obendrein die Mentorschaft, erklärt Neil Morrison von Staffbase. Kommunikation bleibt entscheidend, auch bei begrenztem Raum für individuelle Treffen.
Firmen müssen dringend handeln, um die Überlastung ihrer Führungskräfte zu bewältigen. Automation kann Routinekommunikation übernehmen und so Zeit für die eigentlichen Führungsaufgaben schaffen, erläutert Sabria Sciolaro von Firstup. Zudem sollten Manager Aufgaben klar priorisieren, um "falsche Dringlichkeiten" zu vermeiden, rät Selena Rezvani, Expertin für Unternehmensführung.
Es ist an der Zeit, die organisatorischen Strukturen zu überdenken und nachhaltige Lösungen zu finden, betont Jason Leverant von AtWork Group. Unternehmen, die es schaffen, ein positives Arbeitsumfeld trotz weniger Führungskräfte zu bieten, werden profitieren. Mehr als 80% der Mitarbeiter bevorzugen gute mentale Gesundheit über hohem Gehalt, so eine Analyse. Firmen, die Mentoring-Programme anbieten, verzeichneten während der "Great Resignation" 2021 ein Wachstum, während andere schrumpften.
Letztlich liegt das Erfolgsgeheimnis darin, dass Firmen die Bedeutung von Arbeitszufriedenheit erkennen und damit das Wohl ihrer Mitarbeiter deutlicher in den Mittelpunkt rücken. Wer das nicht tut, riskiert, seine besten Köpfe an Unternehmen zu verlieren, die Menschlichkeit und Glück am Arbeitsplatz ernst nehmen.

