Der Friedhof der Projekte: Das tragische Schicksal des Days Gone-Studios Bend
Es sind unruhige und von Rückschlägen gezeichnete Zeiten für die Kreativköpfe von Bend Studio, der einst gefeierten Entwicklerschmiede hinter Klassikern wie Syphon Filter und dem polarisierenden, aber von vielen geliebten Open-World-Epos Days Gone. Nachdem die Kritiken für ihr letztes großes Werk zwar positiv, aber nicht ekstatisch ausfielen, wurde es still um das Studio – bis Anfang des Jahres die Hiobsbotschaft einschlug: Sony zog bei ihrem ambitionierten Open-World-Live-Service-Multiplayer-Titel den Stecker. Ein harter Schlag, der, wie sich nun herausstellt, nur die Spitze eines Eisbergs aus eingestampften Ideen und verworfenen Visionen gewesen sein könnte.
Der Blick hinter die Kulissen des Schweigens
Ein Fund des Nutzers Timur222 auf der Karriereplattform LinkedIn wirft nun ein noch düstereres Licht auf die internen Vorgänge bei dem Entwickler aus Oregon. Das Profil des Game Designers Jacob Feith, der seit 2019 und damit seit dem Launch von Days Gone bei Bend Studio arbeitet, enthält eine ebenso knappe wie alarmierende Angabe: Er habe an „mehreren eingestellten/unangekündigten Projekten“ mitgewirkt. Feiths Aufgabenbereich umfasste dabei das Herzstück solcher Spiele: Er erschuf Open-World-Events und Missionen, entwickelte Prototypen für Rätsel und Systeme und arbeitete eng mit Animatoren für In-Game-Cinematics zusammen. All diese Arbeit – für die digitale Schublade.
Jahre der verlorenen Arbeit?
Die Tatsache, dass Feith bereits seit über sechs Jahren im Studio tätig ist, lässt die Alarmglocken schrillen. Es wirft die beunruhigende Frage auf, wie viele Projekte in dieser langen Zeitspanne begonnen, entwickelt und schlussendlich wieder zu Grabe getragen wurden, ohne dass die Öffentlichkeit je davon erfuhr. Dieser Gedanke wird noch düsterer, wenn man die Gerüchte über eine Entlassungswelle berücksichtigt, die angeblich 30 Prozent der Belegschaft getroffen haben soll. Jahre der kreativen Arbeit und Leidenschaft, die möglicherweise spurlos im Orkus der Konzernentscheidungen verpufft sind, während das Team mit ansehen musste, wie ihre Werke dem Untergang geweiht wurden.
Ein Hoffnungsschimmer am Horizont
Doch inmitten dieser Tristesse keimt ein zarter Funke Hoffnung. Der zweite Teil der Angabe in Feiths Profil – „unangekündigt“ – ist der Strohhalm, an den sich die Fans nun klammern. Er impliziert, dass trotz der Rückschläge und der schmerzhaften Verluste aktuell doch an etwas Neuem gearbeitet wird. Ein Projekt, das es womöglich über die Konzeptphase hinaus schafft und der Welt zeigt, wozu dieses talentierte Studio fähig ist. Weder Sony noch Bend Studio haben bisher etwas Konkretes bestätigt, doch nach der Einstellung ihres Live-Service-Spiels gab das Studio ein kämpferisches Versprechen ab: Sie seien weiterhin fest entschlossen, „coolen Scheiß zu erschaffen“. Das letzte bekannte Lebenszeichen war das Days Gone Remastered, doch die Gaming-Welt wartet gespannt darauf, ob sich das Studio aus der Asche erheben kann.

