Debatte um Renteneintrittsalter: Thüringens Sozialministerin warnt vor Einseitigkeit
Thüringens Sozialministerin Katharina Schenk übt Kritik an den Vorschlägen, das Renteneintrittsalter anzuheben, um das Rentensystem zu stabilisieren. Diese Maßnahmen würden Menschen mit unterschiedlich belastenden Berufen über einen Kamm scheren, erklärte die SPD-Politikerin. Vor allem Personen in körperlich anspruchsvollen Berufen wie Pflegekräften, Forstarbeitern und Bauarbeitern seien von dieser pauschalen Betrachtungsweise betroffen. Die Belastungen beim Erreichen des aktuellen Renteneintrittsalters seien für viele bereits eine erhebliche Herausforderung.
Die bundesweite Diskussion um die Verlängerung des Arbeitslebens, die durch Forderungen von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche und diversen Wirtschaftsexperten angestoßen wurde, wird weitergeführt. Schenk verwies auf die Untersuchungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes, die verdeutlichen, dass in Thüringen nur 43 Prozent der Arbeitnehmer sich vorstellen können, bis zum regulären Renteneintrittsalter zu arbeiten. Belastende Arbeitsbedingungen und der zunehmende Personalmangel sind hierfür maßgeblich verantwortlich.
Schenk unterstützt den Vorschlag von Bundessozialministerin Bärbel Bas zur Schaffung einer Erwerbstätigenversicherung, die auch Beamte und andere Berufsgruppen einbeziehen soll. Diese Initiative sei sinnvoll und bedenkenswert, um die Rentenversicherung langfristig auf eine breitere Basis zu stellen. Zudem warnte Schenk vor einer Reduzierung der Rentendiskussion auf einen Generationenkonflikt. Sie betonte, dass es keine Wahrnehmung von Auseinandersetzungen zwischen Jung und Alt gebe, sondern vielmehr ein gegenseitiges Verständnis für die jeweils andere Lebensleistung und Herausforderungen.

