Filmfestspiele

Debatte um Berlinale: Kanzler ruft zu rascher Klärung auf

27. Februar 2026, 16:43 Uhr · Quelle: dpa
Zukunft der Berlinale
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Berlinale ist eines der großen internationalen Filmfestivals. (Symbolbild)
Nach einer Krisensitzung zur Zukunft der Berlinale und ihrer Chefin fordert der Kanzler einen respektvollen Umgang miteinander. Ein Regierungssprecher spricht von einer etwas überhitzten Debatte.

Berlin (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ruft in der Diskussion über die künftige Ausrichtung der Berlinale und die Zukunft von Festivalchefin Tricia Tuttle zu einer raschen Klärung auf. «Der Bundeskanzler verfolgt natürlich die öffentlichen Äußerungen in dieser Debatte sehr genau und er erwartet von den Parteien einen respektvollen Umgang miteinander und eine schnelle Klärung der Sachverhalte», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. Er ergänzte: «Die im Raum stehenden Vorwürfe müssen ausgeräumt werden und gegenseitige Unterstellungen müssen unterbleiben.»

Nach einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag würden die Gespräche in den kommenden Tagen weitergeführt, sagte der Sprecher. Die Berlinale-Jury und Tuttle seien vergangene Woche beim Kanzler im Kanzleramt gewesen und hätten «ihren Blick auf die Kontroverse überzeugend dargelegt». Tuttle habe «auch zum Ende der Berlinale in einer vernünftigen Rede den richtigen Ton getroffen und zur Vereinnahmung der Kunst durch die Politik sich geäußert».

Auf die Frage, ob dies bedeute, dass Merz gegen eine vorzeitige Abberufung Tuttles sei, antwortete der Sprecher, er wolle nicht über das spekulieren, was sich aus den Gesprächen ergeben könne. Die «Bild»-Zeitung hatte berichtet, Tuttle solle abberufen werden. Hintergrund sei der Umgang mit dem Nahostkonflikt.

Regierungssprecher: Überhitzte, schräge Debatte

Hille sprach von einer etwas überhitzten und schrägen Debatte. «Es geht doch gar nicht um Eingriffe in Kunstfreiheit», sagte er. Die Diskussion entspinne sich an Aussagen, die zur Abschlussgala auf der Bühne der Berlinale getroffen worden seien. Es müsse die einfache Frage beantwortet werden: «Was soll und darf auf der Bühne der Berlinale stattfinden?» Es könne wenig Zweifel daran geben, dass «Aussagen, die der Bundesregierung eine Beteiligung an einem Völkermord unterstellen und auch noch Drohungen beinhalten, nicht an einem solchen Ort stattfinden sollen».

Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib hatte der Bundesregierung auf der Bühne vorgeworfen, Partner «des Völkermords im Gazastreifen» zu sein. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ daraufhin den Saal und ließ mitteilen, die Aussagen seien nicht akzeptabel. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verurteilten die Aussagen ebenfalls. Israels Regierung streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen, auch die Bundesregierung weist den Völkermord-Vorwurf zurück.

Ex-Festivalchef Kosslick: «Gespenstisch, was hier abläuft»

Nachdem Kulturstaatsminister Weimer eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung zur Berlinale einberufen hatte, formierte sich in der Kulturbranche breiter Protest. Mehrere Filmschaffende kritisierten in einem offenen Brief, es gehe auch «um den Umgang mit künstlerischer Freiheit und institutioneller Unabhängigkeit». Die Deutsche Filmakademie etwa warnte vor politischer Einflussnahme.

Auch der frühere Festivalchef Dieter Kosslick stellt sich hinter Tuttle. «Das ist ja gespenstisch, was hier abläuft», sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Da gewinne ein Film mit dem Titel «Gelbe Briefe» den Goldenen Bären, in dem es darum gehe, dass Künstlern von der Regierung das Wort verboten werde und sie abgelöst würden. «Und dann bekommt jemand blaue Briefe hier.» Die Berlinale sei seit 1951 ein Festival der Meinungsfreiheit.

Kosslick wurde auch gefragt, ob es schwieriger geworden sei, ein Festival zu leiten. An Festivalleitungen habe es schon immer starke Kritik gegeben, auch an ihm, antwortete Kosslick. «Aber meistens geht es darum, ob die richtigen Filme gezeigt werden.» Er warnte vor den Folgen der aktuellen Debatte, weil sich Filmschaffende nun fragen würden, ob sie noch kommen wollten. «Egal, was da am Ende bleibt: Die Berlinale ist beschädigt.»

Film / Festspiele / Personalien / Bundesregierung / Berlinale / Berlin / Deutschland
27.02.2026 · 16:43 Uhr
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