De Maizière will Afghanen zurück in Heimat schicken

01. Februar 2016, 20:41 Uhr · Quelle: dpa

Kabul (dpa) - Innenminister Thomas de Maizière (CDU) will abgelehnte Asylbewerber aus Afghanistan verstärkt in ihre Heimat zurückschicken und stellt ihnen dort eine finanzielle Starthilfe in Aussicht.

Bei einem Besuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul appellierte der Minister an die Bevölkerung, nicht auf von Schleppern verbreitete Gerüchte hereinzufallen. Nach seinem Willen sollen abgelehnte Schutzsuchende aus Afghanistan möglichst freiwillig in sichere Regionen des Landes zurückkehren und dann Unterstützung bei der Suche nach einer Wohnung und Arbeit bekommen. Der Besuch de Maizières wurde von einem Selbstmordanschlag in Kabul überschattet.

Ein Attentäter der radikalislamischen Taliban sprengte sich vor einer Polizeieinrichtung an einer stark befahrenen Verkehrsader im Westen der Stadt in die Luft. Nach Angaben des Sprechers des afghanischen Innenministeriums, Sedik Seddiki, starben dabei mindestens 20 Menschen, 29 weitere seien verletzt worden. In einer Email, mit der die Nato-Militärmission Resolute Support den Anschlag verurteilte, war von 20 toten Polizisten, 25 verletzten Polizisten und sieben verletzten Zivilisten die Rede. De Maizière war zum Zeitpunkt des Anschlags mehrere Kilometer entfernt in der Deutschen Botschaft zu Gast.

Der Minister sagte mit Blick auf den Anschlag: «Natürlich ist die Sicherheitslage in Afghanistan kompliziert. Wer wollte das bestreiten?» Sie sei aber regional sehr unterschiedlich. «Wir haben auch Anschläge anderswo in der Welt. Der internationale Terrorismus bedroht nicht nur Afghanistan, sondern uns alle.» Man dürfe seine Politik nicht danach ausrichten.

Angesichts der rasant wachsenden Flüchtlingszahlen aus Afghanistan plädiert de Maizière dafür, mehr Menschen dorthin zurückzuschicken, da es ausreichend ungefährliche Landesteile gebe. Afghanistan sei ein großes Land. «Dort gibt es unsichere und sichere Gebiete».

Die Zahl der Afghanen, die nach Deutschland fliehen, ist enorm gestiegen. Im vergangenen Jahr hatten die Behörden in Deutschland mehr als 150 000 Afghanen als Asylbewerber registriert. Sie waren damit die zweitgrößte Gruppe nach den Syrern. Zum Vergleich: 2014 hatten noch etwa 9700 Menschen aus Afghanistan in Deutschland einen Asylantrag gestellt. 

Die Entwicklung setzte sich auch zu Jahresbeginn fort. Allein vom 1. bis 18. Januar wurden nach Angaben aus Regierungskreisen mehr als 12 000 afghanische Asylsuchende in Deutschland registriert.

«In Afghanistan werden von Schleusern Gerüchte über paradiesische Zustände in Deutschland gestreut, um Geschäfte zu machen. Das alles wollen wir nicht», sagte de Maizière der dpa. Es könne nicht sein, dass die afghanische Bevölkerung und gerade die jungen Leute ihr Land verließen, um in Deutschland und eine wirtschaftlich bessere Zukunft zu suchen.

De Maizière traf in Kabul mehrere Regierungsvertreter, um über die Entwicklung und mögliche Gegenstrategien zu beraten. Unter anderem kam er mit Präsident Aschraf Ghani und mit seinem afghanischen Amtskollegen Nurulhak Ulumi zusammen. Nach den politischen Gesprächen appellierte de Maizière an die afghanische Bevölkerung, Gerüchten keinen Glauben zu schenken. «Es gibt kein Begrüßungsgeld in Deutschland, es gibt nicht ohne weiteres einen Arbeitsplatz, eine Wohnung.»

Wer mit seinem Asylantrag keinen Erfolg habe, müsse zurück in sichere Gebiete Afghanistans. Vorrang hätten freiwillige Rückreisen. Im Zweifel müssten Menschen aber auch zwangsweise zurückgebracht werden. Die Rückkehrer sollten aber Unterstützung bekommen - nicht in direkter Form, «schon gar nicht in bar». Vielmehr solle Unterstützung in die Infrastruktur fließen. Details müssten noch verhandelt werden. Geplant sei auch eine weitere Aufklärungskampagne zu den geringen Asylchancen in Deutschland. Das Auswärtige Amt hatte bereits mit einer Plakatkampagne versucht, Gerüchte über das deutsche Asylsystem auszuräumen.

International / Migration / Flüchtlinge / Konflikte / Afghanistan / Deutschland
01.02.2016 · 20:41 Uhr
[3 Kommentare]
Buckelwal liegt weiter in Wismarbucht
Wismar (dpa) - Der vor Wismar gestrandete Buckelwal lebt noch. Der Zustand des Tieres habe sich in der Nacht nicht verändert, teilte ein Sprecher des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern am Morgen mit. Demnach kam es in der Nacht zu «keinen besonderen Vorkommnissen». Der geschwächte Wal liegt weiterhin vor der Insel Poel im flachen Wasser. […] (01)
vor 27 Minuten
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden ist. Der britische Schauspieler – der bereits im Alter von elf Jahren als titelgebender Zauberlehrling in der 'Harry Potter'-Filmreihe berühmt wurde – glaubt, dass sein jüngeres Ich ihn heute nicht wiedererkennen würde. Damals sei er "zutiefst unglücklich" gewesen, […] (00)
vor 21 Stunden
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen auf ein schwarzes Gehäuse verzichten. Zum Vergleich: Die derzeitige iPhone 17 Pro Serie ist in den markanten Farben Silber, Cosmic Orange und Deep Blue erhältlich. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Kein Schwarz für die iPhone 18 Pro Modelle Wie der bekannte […] (00)
vor 16 Stunden
Switch 2: Ehemaliger Nintendo-Mitarbeiter warnt vor kommendem Preisanstieg
Die Nintendo Switch 2 ist seit ihrem Launch eine der meistgekauften Konsolen des Jahres – doch wer noch mit dem Kauf gehadert hat, könnte bald in eine unangenehme Situation geraten. Ein ehemaliger Nintendo-Vertriebsmitarbeiter hat sich öffentlich zu den Preisentwicklungen des Unternehmens geäussert, und seine Einschätzung lässt aufhorchen. Was der Ex- […] (01)
vor 16 Stunden
ARD schickt TV-Star auf Feiertags-Reise
Das Erste begleitet Evelyn Burdecki an Christi Himmelfahrt auf eine Spurensuche durch Geschichte und Traditionen. Mit Holy Days – Evelyn Burdecki und das Rätsel Himmelfahrt setzt Das Erste am 14. Mai auf eine unterhaltsame und zugleich informative Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten christlichen Feiertage. Bereits ab dem 12. Mai ist die Produktion in der ARD Mediathek verfügbar, wo […] (00)
vor 1 Stunde
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeister-Trainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes und wenig glaubhaftes Comeback-Gerücht - und der 66-Jährige räumt es auch schnell aus der Welt. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte Löw für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. «Mit mir hat […] (05)
vor 17 Stunden
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, banknoten, berlin
Aktuelle On-Chain-Daten zeigen, dass große Bitcoin-Investoren in letzter Zeit erhebliche Verluste realisiert haben, was auf eine Kapitulation hindeutet. Hohe realisierte Verluste bei Bitcoin-Haien und -Walen Die On-Chain-Analysefirma Glassnode hat in einem neuen Beitrag die jüngsten Trends bei den realisierten Verlusten von Bitcoin-Haien und -Walen […] (00)
vor 1 Stunde
Von  "Meuterei auf der Bounty" zur Pn-Domain
Koeln, 03.04.2026 (PresseBox) - Es beginnt, wie große Geschichten oft beginnen: mit zu viel Ordnung. An Bord der HMS Bounty herrscht im Jahr 1789 ein Regiment aus Disziplin und Härte. William Bligh, ein Mann von eiserner Selbstkontrolle, führt seine Mannschaft durch die Weiten des Pazifiks – und zugleich in eine immer engere innere Enge. Denn draußen […] (00)
vor 14 Stunden
 
Lufthansa-Flugzeuge (Archiv)
Frankfurt am Main - Der Lufthansa-Konzern befürchtet, dass es im Falle eines länger […] (00)
Anti-Iran-Protest (Archiv)
Köln - Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) warnt vor Bemühungen des Irans, im […] (00)
Strand (Archiv)
München - Der Renten-Ökonom Axel Börsch-Supan sieht keine Notwendigkeit für die […] (00)
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat eine Anordnung unterzeichnet, um die […] (06)
Julian F. M. Stoeckel
(BANG) - Ein Schock für Entertainer und Reality-TV-Star Julian F. M. Stoeckel: Der […] (00)
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte […] (00)
Italiens bisheriger Nationaltrainer Gennaro Gattuso
Rom (dpa) - Italiens abermaliges Scheitern in einer WM-Qualifikation hat nun auch […] (04)
Starkes Jobwachstum signalisiert wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Die neuesten […] (00)
 
 
Suchbegriff