Dax im Spannungsfeld geopolitischer Unsicherheiten: Wachstumsperspektiven unter Druck
Dax vor weiteren Herausforderungen
Nach einer bemerkenswerten Woche für den deutschen Aktienmarkt könnte der Dax weiterhin an Wert gewinnen. Allerdings bleibt die geopolitische Lage im Nahen Osten, insbesondere die Entwicklungen im Iran, ein potenzieller Bremsfaktor für die jüngste Kursrally. Robert Halver, Kapitalmarktstratege bei der Baader Bank, betont, dass Aktionäre sich auf erhebliche Kursschwankungen einstellen müssen, die aus der unberechenbaren Nachrichtenlage resultieren.
Die Analysten von Index Radar stellen fest, dass eine mögliche Einigung zwischen den USA und dem Iran bereits in den europäischen Aktienmärkten eingepreist wird. US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende eine baldige Einigung mit Teheran in Aussicht gestellt, jedoch später betont, dass eine solche nicht überstürzt werden sollte. Auch die iranische Seite dämpfte die Erwartungen an eine schnelle Übereinkunft, während in den USA Bedenken bezüglich möglicher Details laut wurden.
Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners, weist darauf hin, dass die beiden Länder in der Frage des angereicherten Urans nach wie vor weit auseinanderliegen. Zudem könnten die vom Iran angestrebten Zölle für die Straße von Hormus zusätzliche Komplikationen in den Verhandlungen mit sich bringen.
Mark Dowding, Anlagestratege bei RBC BlueBay Asset Management, äußert Bedenken, dass die schleppenden Friedensgespräche zu weiteren militärischen Auseinandersetzungen führen könnten. Er warnt, dass der Iran möglicherweise erkennt, dass sein Einfluss zunimmt, je länger die Verhandlungen stagnieren. Dies könnte die USA dazu bringen, ihre Forderungen aufzugeben, während Trump bestrebt ist, seine Kampagne als Erfolg zu präsentieren.
Dennoch sieht Berndt Fernow, Stratege bei der LBBW, die Wahrscheinlichkeit einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen als gering an, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehenden US-Zwischenwahlen. Der Iran-Konflikt ist in den USA äußerst unpopulär. Fernow hebt jedoch hervor, dass selbst bei einer konstruktiven Lösung des Konflikts der positive Effekt schnell durch die Betrachtung der wirtschaftlichen Schäden überlagert werden könnte. Der Dax befinde sich somit weiterhin in einem Spannungsfeld zwischen Bullen und Bären.
Martin Utschneider, Kapitalmarktexperte bei Robomarkets, mahnt zur Vorsicht und weist darauf hin, dass die Indikatorenlage uneinheitlich bleibt. Es bleibt abzuwarten, ob der Dax genügend Momentum aufbauen kann, um nachhaltig höhere Kursregionen zu erreichen.
Die kommende Woche könnte zunächst von einer gedämpften Nachrichtenlage geprägt sein. Während die US-Märkte am „Memorial Day“ geschlossen bleiben, wird in Deutschland trotz Pfingstmontag gehandelt. Marcel Mußler, Herausgeber der gleichnamigen Börsen-Briefe, rechnet jedoch mit einem trägen Wochenstart.
In der Mitte der Woche könnten die Quartalszahlen von Unternehmen wie Aroundtown, der schwedischen Verve Group und CTS Eventim für frischen Gesprächsstoff sorgen. Zum Wochenschluss stehen dann die Verbraucherpreisdaten aus Deutschland auf der Agenda, die laut Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, im Mai erstmals seit Ende 2023 wieder über drei Prozent steigen könnten.
Die anhaltenden geopolitischen Spannungen und die Unsicherheiten im Iran könnten auch die Inflation beeinflussen, insbesondere wenn die Straße von Hormus weiterhin blockiert bleibt. Helaba-Experte Simon Azarbayjani weist darauf hin, dass der Krieg im Nahen Osten auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben könnte, da Unternehmen angesichts schlechterer Geschäftserwartungen Stellen nicht besetzen könnten. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, erwartet zudem ein schwaches zweites Konjunkturquartal in Deutschland, was die Herausforderungen für den Dax weiter verschärfen könnte.

