Das Drama der französischen Regierung: Risiken für die Eurozone
Die Mitte-Rechts-Regierung Frankreichs, angeführt von Premier François Bayrou, fand nach weniger als neun Monaten ein abruptes Ende. Diese Entwicklung erzeugt erhebliche Unsicherheit über die zukünftige finanzpolitische Ausrichtung des Landes, das in der Eurozone eine entscheidende Rolle spielt.
So warnen Experten wie Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts, dass das Land möglicherweise einer ernsthaften nationalen Finanzkrise entgegensteuere. Frankreich verzeichnet mit 114 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die dritthöchste Schuldenquote innerhalb der EU – nur Griechenland und Italien weisen höhere Werte auf. Trotz der drückenden Schuldenlast von rund 3.300 Milliarden Euro und eines Haushaltsdefizits von 5,8 Prozent bleibt die Stabilisierung der Staatsfinanzen fraglich.
Neue Staatsanleihen werden zunehmend kostspieliger, da Investoren wegen Frankreichs Schuldenniveau besorgt sind. Die Expertenmeinungen zur finanziellen Herausforderung, unter anderem von der Goldman Sachs, prägen das Bild. Joachim Schallmayer der Dekabank zeigt allerdings wenig Optimismus, was Reformanstrengungen bis zu den Präsidentschaftswahlen 2027 betrifft. Ähnlich skeptisch äußert sich Thomas Gitzel von der VP Bank, der ebenfalls keine kurzfristigen Aussichten auf eine Konsolidierung sieht.
Während der Blick auf die Finanzmärkte kritisch bleibt, bewertet Ökonom Gitzel die Situation dennoch nicht als systemisches Risiko für die ganze Eurozone. Doch könnten steigende Risikoaufschläge zu EZB-Maßnahmen wie dem 'Transmission Protection Instrument' (TPI) führen, was Einfluss auf die Stabilität der Märkte haben könnte. Berenberg-Ökonom Felix Schmidt gibt zu bedenken, dass dieses Instrument nur in bestimmten Kontexten eingesetzt würde. EZB-Präsidentin Christine Lagarde versichert derweil, dass das französische Bankensystem widerstandsfähiger sei als in der Vergangenheit und keine IWF-Unterstützung nötig sei. Trotzdem bleibt die Fragilität Frankreichs ein Thema, das der EZB bei ihren Entscheidungen weiter Kopfschmerzen bereiten dürfte.

