Strategie bis 2030

Commerzbank kontert Unicredit: Stellenabbau und Rekordgewinn

08. Mai 2026, 10:31 Uhr · Quelle: dpa
Commerzbank
Foto: Michael Brandt/dpa
Die Commerzbank wehrt sich seit Monaten gegen eine mögliche Übernahme durch die Unicredit. (Archivbild)
Kosten runter, Gewinne rauf: Die Commerzbank will beweisen, dass sie alleine profitabler ist als unter dem Dach der Unicredit. Kann der Dax-Konzern die feindliche Übernahme abwenden?

Frankfurt/Main (dpa) - Die Commerzbank will mit einem weiteren Stellenabbau und steigenden Gewinnen Investoren von ihrer eigenständigen Zukunft überzeugen und eine feindliche Übernahme durch die Unicredit abwenden. Bis 2030 werden konzernweit etwa 3.000 weitere Vollzeitstellen gestrichen, wie der Dax-Konzern in Frankfurt mitteilte.

Die Pläne der Unicredit würden zu einem weitaus größeren Stellenabbau führen, argumentiert die Commerzbank in einer ersten ausführlicheren Bewertung des zu Wochenbeginn veröffentlichten Kaufangebots der italienischen Großbank. Das Institut mit Sitz in Mailand, das knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert, will sich bis 16. Juni per Tausch weitere Anteile sichern und hat für den Fall einer Übernahme einen Umbauplan vorgelegt.

Bester Jahresstart seit 2011

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, die sich mit ihrem Team seit mittlerweile mehr als eineinhalb Jahren gegen eine Übernahme stemmt, sieht sich durch den besten Jahresstart seit 2011 in ihrem Kurs bestätigt: «Wir sind mit Ergebnissen auf Rekordniveau ins Jahr gestartet. Das beweist: Unsere Strategie funktioniert – und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant.» Daran müsse sich jede Alternative messen lassen. «Die Pläne der Unicredit überstehen den Realitätscheck nicht», sagte Orlopp in einer Telefonkonferenz.

Im ersten Quartal 2026 schnitt die Commerzbank besser ab als ein Jahr zuvor. Mit rund 1,36 Milliarden operativem Ergebnis und einem Überschuss von 913 Millionen Euro übertraf das Frankfurter Geldhaus das Vorjahresquartal jeweils etwa um etwa zehn Prozent und erzielte auch mehr als von Analysten erwartet.

Gewinne sollen stetig steigen

Für 2026 erwartet die Commerzbank im Rahmen ihrer überarbeiteten Strategie («Momentum 2030») mehr Gewinn als bisher: Sie peilt nun einen Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro an und damit 200 Millionen Euro mehr als bislang. Bis 2028 soll das Ergebnis stärker als zuvor geplant auf 4,6 Milliarden steigen, 2030 sollen 5,9 Milliarden Euro unter dem Strich stehen.

Im Gesamtjahr 2025 hatte die Bank trotz hoher Kosten für einen bereits laufenden Stellenabbau mit gut 2,6 Milliarden Euro unter dem Strich den Rekordgewinn von 2024 (knapp 2,7 Mrd Euro) nur knapp verfehlt.

Unicredit macht Druck

Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit dem Einstieg bei der Commerzbank im September 2024 für eine Übernahme und hatte jüngst öffentlich eine aus seiner Sicht seit Jahren «unterdurchschnittliche operative Leistung» der Commerzbank kritisiert. Ohne Neuausrichtung sei mittelfristig das Überleben des Instituts gefährdet. Die Unicredit, die in Deutschland mit der Hypovereinsbank (HVB) aktiv ist, präsentierte ein Umbauprogramm für den Fall einer Commerzbank-Übernahme, demzufolge in Deutschland etwa 7.000 Vollzeitstellen gestrichen würden.

Die Commerzbank-Spitze weist die Pläne der Unicredit als vage und gefährlich zurück. «Solche extensiven Stellenstreichungen würden das Deutschland-Geschäft beeinträchtigen», schreibt das Frankfurter Geldhaus in einer Präsentation. Um die von der Unicredit in Aussicht gestellten weiteren Einsparungen von 800 Millionen Euro bei Personal- und Sachkosten zu realisieren, müssten nach Ansicht der Commerzbank-Spitze weitere 3.000 bis 4.000 Vollzeitstellen gestrichen werden.

Betriebsrat trägt Einschnitte mit

Der von der Commerzbank angekündigte Stellenabbau, dessen Kosten der Vorstand auf etwa 450 Millionen Euro beziffert, soll nach Angaben der Bank «sozialverträglich» etwa über Verrentung und ein Altersteilzeitprogramm mit 50.000-Euro-Zusatzprämie geregelt werden. Eine mit dem Betriebsrat vereinbarte Transformationsvereinbarung regele die Eckpunkte. Gleichzeitig sollen «in Wachstums- und Zukunftsfeldern» wie der Digital-Marke Comdirect und der Vermögensverwaltung Stellen aufgebaut werden.

Der Betriebsrat trägt den Stellenabbau mit. «Einsparungen werden unvermeidlich sein – doch sie sind weit weniger schmerzhaft als der Kahlschlag, den wir bei einer Übernahme erwarten müssten», argumentiert der Vorsitzende des Konzern- und Gesamtbetriebsrats der Commerzbank, Sascha Uebel, in einem Beitrag im Intranet der Bank.

Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi auf Basis der Transformationsvereinbarung faktisch ausgeschlossen. «Für uns ist klar: Niemand darf seinen Job gegen seinen Willen verlieren», betonte Gewerkschaftssekretär Kevin Voß.

Zweiter Stellenabbau seit Anfang 2025

Wo genau die 3.000 Stellen wegfallen sollen, blieb zunächst offen. «Grundsätzlich schauen wir uns alle Einheiten in Bezug auf den Personalbedarf in der Zukunft an, sowohl in der AG als auch bei unseren Töchtern in Deutschland sowie an unseren internationalen Standorten», erklärte Personalvorständin Sabine Mlnarsky in dem Intranet-Beitrag.

Erst im Februar 2025 hatte die Commerzbank den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt, den Großteil davon in Deutschland. Damals hatte die Bank mitgeteilt, sie werde parallel dazu vor allem im Ausland neue Stellen schaffen, etwa bei der polnischen Tochter mBank sowie an Standorten in Asien. Ende 2025 hatte der Konzern 39.867 Vollzeitkräfte.

Widerstand gegen Unicredit

Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht «feindliche» Taktieren von Unicredit-Chef Orcel. Auch die Bundesregierung lehnt eine feindliche Übernahme der Commerzbank ab. Der Bund, der das Frankfurter Institut in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält noch gut 12 Prozent der Anteile an dem Dax-Konzern.

Die Unicredit bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. Diese Anteile sind nach Angaben der Unicredit auf Basis eines Drei-Monats-Durchschnittskurses 34,35 Euro wert. Das liegt jedoch unterhalb des jüngsten Kurses der Commerzbank-Aktie. «Das Angebot von UniCredit bewertet die Commerzbank deutlich unter ihrem Wert», so die Bewertung des Vorstands um Bettina Orlopp: «Die Aktionäre der Commerzbank werden aufgefordert, auf Wertsteigerungspotenzial und Kontrolle zu verzichten, ohne dafür eine Prämie zu erhalten.»

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08.05.2026 · 10:31 Uhr
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