Citi betritt Europas ETF-Markt mit neuer Plattform: Ein Gamechanger?
Citigroup plant die Einführung einer europäischen Plattform für Exchange Traded Funds (ETFs), um Drittanbietern den Zugang zu diesem schnell wachsenden Sektor zu erleichtern. Diese Bewegung des drittgrößten US-Bankhauses, eine sogenannte „White-Label“-Plattform anzubieten, könnte die Branche, die bisher von kleineren spezialisierten Akteuren dominiert wird, erheblich umkrempeln. Zuvor hatte bereits Goldman Sachs mit seinem ETF Accelerator den ersten großen Schritt in diesem Bereich gemacht. Erwartet wird, dass die Citi Velocity ETFs im ersten Quartal 2025 startet und aktiven Vermögensverwaltern den Einstieg in den europäischen ETF-Markt erleichtert. In einem Markt, in dem bisher passive, indexbasierte Produkte dominierten, gewinnen nun auch aktiv gemanagte Fonds an Bedeutung. Andrew Jamieson, Global Head of ETF Product bei Citi, unterstrich die Bedeutung dieses Wandels und erklärte, viele Vermögensverwalter suchten nach Wegen, um sich in der ETF-Landschaft zu positionieren, da das traditionelle Mutual-Fund-Format an Bedeutung verliere. Der europäische Markt für aktiv gemanagte ETFs hinke bislang zwar hinter der US-Entwicklung hinterher, zeige jedoch bereits starke Wachstumsimpulse. In den USA greifen kleine ETF-Anbieter auf White-Label-Plattformen wie Tidal Financial Group, Exchange Traded Concepts und Alpha Architect zurück. In Europa ist HANetf der Marktführer, doch viele Anbieter kämpfen noch um eine kritische Größe. Citi möchte insbesondere große institutionelle Asset-Manager überzeugen, die teilweise bereits umfangreiche Erfahrungen in Nordamerika haben, aber den europäischen Raum bisher meiden. Jamieson sieht Europa als künftigen Hotspot für ETF-Investitionen, vor allem aufgrund der wachsenden Nachfrage aus Regionen wie Lateinamerika, Asien und dem Nahen Osten nach Europas Ucits-Standard. Dieses Interesse trifft auf einen Markt, der bislang von US-Emittenten aufgrund seiner Komplexität gemieden wurde. Eine weitere US-Gesellschaft, Janus Henderson, hatte schon die Übernahme der kleineren europäischen Tabula Investment Management gewählt, um den Markteintritt zu beschleunigen, so wie zuvor Ark Invest mit Rize ETF. Jamieson sieht die Citi-Plattform als umfassendes Angebot, das Marktakteuren einen nahezu vollständigen Service bietet. Die Einführung neuer Produkte soll dadurch von bis zu zwei Jahren auf drei bis sechs Monate verkürzt werden. Citi habe den Service über zwei Jahre entwickelt, um Asset Managern mehr Raum für ihre Kernkompetenzen zu geben. Obwohl die Plattform von verschiedenen Branchenakteuren begrüßt wurde, warnte Deborah Fuhr von ETFGI, dass Herausforderungen, insbesondere im Vertrieb, bestehen blieben. Dennoch ist der Optimismus groß, dass Europa den US-Markt in puncto aktiver ETF-Emittenten bald einholen könnte.

