Chemiewerte unter Druck: Lanxess erhält Dämpfer von Analysten

Analystenstimmen belasten Chemiewerte
Am Freitag sehen sich europäische Chemiewerte, insbesondere die Aktien von Lanxess, einem erheblichen Verkaufsdruck ausgesetzt. Die Analysten Chetan Udeshi von JPMorgan und Georgina Fraser von Goldman Sachs haben ihre Einschätzungen für das Unternehmen herabgestuft, was zu einem Rückgang von rund 5 Prozent auf der Handelsplattform Tradegate führte. Zusätzlich wird Lanxess am Freitag mit einem Dividendenabschlag von 0,10 Euro je Aktie gehandelt, was die Marktreaktionen weiter verstärkt.
Hoffnung auf Sonderkonjunktur verflogen
Udeshi und Fraser haben die Hoffnungen auf eine Sonderkonjunktur aufgrund des Nahost-Kriegs, die seit März für einen Aufschwung in der Branche gesorgt hatte, stark gedämpft. Der Stoxx Europe 600 Chemicals, der seit einem Tiefpunkt im Herbst 2022 um bis zu 15 Prozent gestiegen war, zeigt seit Mitte April bereits wieder eine rückläufige Tendenz. Lanxess selbst hatte sich von einem Tiefstand von rund 11 Euro, dem niedrigsten Wert seit 2009, um beeindruckende 77 Prozent erholt.
Strukturelle Probleme im Fokus
Die Analysten von JPMorgan sprechen von einem "Branchen-Blues", der zurückkehren könnte. Zwar sei die Dauer des Nahost-Konflikts schwer abzuschätzen, jedoch zeigen aktuelle Daten, dass der kurzfristige Rückenwind durch die geopolitischen Verwerfungen schwächer ausfallen könnte als ursprünglich erwartet. Dies könnte die Anleger dazu veranlassen, die Erwartungen an das zweite Quartal zu dämpfen, da ein schwaches zweites Halbjahr sowie die Herausforderungen im Jahr 2027 die strukturellen Probleme der Branche wie Überkapazitäten und zunehmenden Wettbewerb aus Asien wieder in den Vordergrund rücken.
Kursziele und Verkaufsratschläge
Während Udeshi ein Kursziel von 18 Euro für Lanxess angibt und die Aktie nun mit "Neutral" bewertet, empfiehlt Fraser von Goldman Sachs bei einem als fair erachteten Kurs von 13 Euro, die Papiere zu verkaufen. Sie hinterfragt den Preisanstieg, der durch die geopolitischen Unruhen bedingt war, und weist auf anhaltende Bilanzrisiken hin. Ihre frühere Hochstufung auf "Neutral" basierte auf optimistischen Annahmen über das US-Geschäft, die durch den Krieg jedoch infrage gestellt wurden.
Ausblick und operative Ergebnisse
Die Ergebnisse des ersten Quartals zeigen, dass Lanxess nur begrenzte Vorteile aus den höheren Preisen ziehen konnte. Der Ausblick für das operative Ergebnis im zweiten Quartal liegt um 10 Prozent unter dem Konsens und sogar um 37 Prozent unter den eigenen Schätzungen von Fraser. Aus ihrer Sicht hat der Krieg die Risiken für das Unternehmen erhöht, ohne jedoch nennenswerte Margenchancen zu bieten. Diese Entwicklungen sind für unternehmerisch denkende Investoren alarmierend, da sie die Wettbewerbsfähigkeit und den Shareholder Value von Lanxess in Frage stellen könnten.

