Chemiewerte unter Druck: Deutsche Bank warnt vor trüben Aussichten
Die Chemiebranche geriet am Mittwoch unter Druck, nachdem die Deutsche Bank einen kritischen Kommentar veröffentlicht hatte. Besonders die Aktien von Lanxess litten, da eine zuvor ausgesprochene Kaufempfehlung zurückgezogen wurde. Infolgedessen rutschten die Papiere um sechs Prozent ab. Auch die Aktien von Evonik verzeichneten Verluste von 2,2 Prozent, während BASF und Wacker Chemie jeweils um gut ein Prozent im Dax nachgaben.
Virginie Boucher-Ferte, Expertin bei der Deutschen Bank, äußerte deutliche Vorbehalte bezüglich der künftigen Entwicklung der Chemiebranche. Sie befürchtet einen langanhaltenden Abschwung und sieht steigende Risiken für das Jahr 2026. Im zweiten Halbjahr 2023 erwartet sie ein schwächeres Geschäft, bedingt durch unsicheres Handelsumfeld, Wechselkurseffekte und erhöhten Wettbewerbsdruck.
Die gestrichene Kaufempfehlung für Lanxess löste insbesondere deshalb Kursverluste aus, weil das Unternehmen am Vortag einen Anstieg infolge der Ankündigung verzeichnet hatte, sich von seinen Anteilen am Gemeinschaftsunternehmen Envalior zu trennen. Doch Analyst Oliver Schwarz von Warburg Research sieht hier noch viele Unklarheiten bezüglich des Zeitrahmens und der möglichen Erlöse.
Lanxess hatte es geschafft, sich im Sektorvergleich positiv abzusetzen, doch dieser Vorteil ist durch den gestrigen Rückschlag gefährdet. Die Experten Boucher-Ferte und Tristan Lamotte betonen, dass der Chemiekonzern aufgrund seiner schwankungsanfälligen Geschäfte jetzt mit bedeutenden Risiken konfrontiert sei. Die Analysten sehen deshalb Chemieunternehmen mit einem defensiveren Ansatz oder spezifischen Wachstumstreibern als vorteilhafter an, darunter Akzo Nobel, IMCD, Novonesis und Kerry. BASF und Syensqo stufen sie hingegen weiterhin mit einer Kaufempfehlung ein.

