Brotkultur im Wandel: Rückgang des Brotkonsums in Deutschland
Der Brotkonsum in Deutschland hat in den letzten Jahren spürbar abgenommen. Nach einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts YouGov sank der Brotverbrauch pro Haushalt von 2019 bis 2024 um durchschnittlich 4,3 Kilogramm, was einem Rückgang von nahezu zehn Prozent entspricht. Dabei handelt es sich um den privaten Verzehr von Brotprodukten, einschließlich Toast- und Sandwichbrot, die zu Hause konsumiert werden, jedoch ohne außer Haus erworbene Produkte.
Hauptursachen für diesen Rückgang sind laut Katja Trieschmann, Expertin bei YouGov, vor allem steigende Brotpreise und veränderte Konsumgewohnheiten. Traditionelle Mahlzeiten wie Frühstück oder Abendbrot verlieren an Bedeutung, während Konsumenten häufiger zu kleinen Snacks greifen oder Mahlzeiten ganz auslassen. Auch die Lebensmittel Zeitung hatte bereits über diese Entwicklung berichtet.
Klassische Bäckereien leiden besonders unter dieser Veränderung. Der Marktanteil ist signifikant zurückgegangen, und der Anteil der Haushalte, die Brot in Bäckereien einkaufen, sank von 52 Prozent auf 45 Prozent. Beliebter sind die preisgünstigeren Selbstbedienungslösungen im Lebensmittelhandel, wo 90 Prozent der Haushalte im vergangenen Jahr Brot gekauft haben.
Die Preisentwicklung trägt ebenfalls zu dieser Verschiebung bei. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Preise für verschiedene Brotsorten um durchschnittlich 34 bis 37 Prozent, wobei Mehl als Hauptzutat sogar um 47 Prozent teurer wurde. In Bäckereien stieg der Kilo-Preis für Brot von 4,24 Euro auf 5,03 Euro, während vorverpacktes Brot im Supermarkt bei 3,19 Euro und Backstation-Ware bei 2,77 Euro lagen.
Diese Trends schlagen sich auch auf die Zahl der Bäckereien nieder. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks berichtet von einem Rückgang der Betriebe, der 2024 um 3,6 Prozent auf rund 8.900 sank. Der Verband führt dies auf kleinere Haushaltsgrößen und erhöhten Kostendruck zurück, der beispielsweise durch den Mindestlohn entsteht.
Tobias Schuhmacher vom Verband Deutscher Großbäckereien bemerkt, dass die Kunden stärker auf Gesundheit und Abwechslung achten. Brot verliert seinen Status als Hauptmahlzeit und wird vermehrt als Snack konsumiert. Großbäckereien beliefern inzwischen vermehrt Supermärkte wie Edeka, Rewe, Lidl und Aldi mit abgepackten Brotwaren.
Eine aktuelle Umfrage von YouGov zeigt, dass Brot und Brötchen noch immer regelmäßig konsumiert werden: 14 Prozent der Befragten essen mehrmals täglich, 30 Prozent einmal täglich und 48 Prozent ein- oder mehrmals in der Woche.

