Brisante Konstellationen: Israels Unmut über neues Aufsichtsgremium für Gaza
Eine unerwartete diplomatische Verstimmung hat zwischen Israel und den Vereinigten Staaten Einzug gehalten. Anlass ist die jüngste Entscheidung des Weißen Hauses über die Besetzung des sogenannten "Gaza Executive Board". Diese wichtige Institution, die dem "Friedensrat" untersteht, wurde ohne vorherige Konsultation mit Israel gebildet, was in einer scharf formulierten Erklärung von Premierminister Benjamin Netanjahus Büro als unvereinbar mit israelischen Interessen deklariert wird. Netanjahu hat Außenminister Gideon Saar dazu angewiesen, das Gespräch mit dem US-amerikanischen Außenminister Marco Rubio zu suchen, um die umstrittene Entscheidung anzusprechen.
Von besonderem Interesse ist die Einbeziehung der Kritiker Israels Hakan Fidan, dem türkischen Außenminister, und des hochrangigen katarischen Diplomaten Ali Thawadi in das Gremium. Beide Länder, die Türkei und Katar, hatten sich wiederholt kritisch gegenüber Israels militärischen Aktionen gegen die Hamas geäußert. Technisch betrachtet, ist das Gaza-Exekutivkomitee Teil des größeren "Friedensrats", der sich aus prominenten internationalen Politikern zusammensetzt und unter der Führung von US-Präsident Donald Trump steht. Diese Exekutivgremien spielen eine zentrale Rolle bei der Überwachung der Nachkriegsverwaltung des Gazastreifens.
Die israelische Zeitung "Jediot Achronot" hebt die Befürchtungen Israels hervor, dass eine Beteiligung Katars die Rückkehr von Finanzmitteln in großem Stil an die Hamas ermöglichen könnte. In der Vergangenheit hatte Katar bereits mit einem beträchtlichen Geldfluss zur Stärkung der Organisation beigetragen. Israel äußert die Sorge, dass dies erneut geschehen könnte, was die Möglichkeiten der Hamas erweitern würde. Sowohl Katar als auch die Türkei, die als Vermittler im Nahost-Konflikt agieren, gelten als Unterstützer der Hamas.
In einer deutlichen Stellungnahme gegenüber "Axios" beschreibt ein hochrangiger US-Beamter die Initiative als ein primär amerikanisches Unterfangen. Er verdeutlicht, dass die beeindruckenden Fortschritte in Gaza nicht zuletzt auf das Engagement der USA zurückzuführen sind und Netanjahu kein Mitspracherecht über die Besetzung habe. Der Fokus Israels solle stattdessen auf dem Iran liegen, heißt es weiter. Das internationale Gremium begleitet die Schaffung einer neuen palästinensischen Übergangsregierung, die den gefährdeten Gaza-Streifen stabilisieren soll. US-Präsident Trump konnte bereits einige Staatsoberhäupter, darunter auch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, für den "Friedensrat" gewinnen.

